Peru – Der Norden

Nach fünf Wochen in der Cordillera Blanca war es an der Zeit mich wieder auf den Sattel zu setzen. Die ersten 80 Kilometer ging es mehr oder weniger durch den Callejón de Huaylas nur bergab. Wenige Kilometer nach Caraz begann der Canon del Pato, auf deutsch Entenschlucht, die durch den Rio Santa über die Jahrhunderte in den Fels geschnitten wurde. Die Schlucht ist so eng, dass die Straße durch über 30 Tunnel führt.

Mangos hatten gerade Saison und waren unglaublich günstig, vor allem wenn man sie direkt von einer Plantage kaufte. Eines Abends durfte ich sogar mein Zelt unter Mangobäumen aufstellen.

Ich bin immer wieder fasziniert wie schnell sich Landschaften verändern können. Nur einen Tag nachdem ich noch in der Cordillera Blanca dem Regen trotzte, befand ich mich plötzlich in einer staub trockenen Umgebung, die mich an den Norden Argentiniens und Chiles zurück erinnern ließ. Einheimischen zu folge regnet es hier nur sehr sehr selten und dann auch nur wenig.

Das ist Fahrradfahren in Peru: Auf einer steilen Abfahrt folgt umgehend der nächste steile Berg. Flache Abschnitte gibt es so gut wie gar nicht.

Eigentlich wollte ich mich auf dem Plaza von dem langen Anstieg ausruhen, doch meine Ruhe hatte ich nur für wenige Minuten. Dann war ich umzingelt von Kids, die mich mit den üblichen Fragen löcherten. ‚Wo kommst du her?‘, Wohin fährst du?‘, ‚Wie lange bist du unterwegs?‘ ‚Bist du alleine?‘, ‚Hast du keine Freunde?‘, ‚Wo ist deine Familie?, ‚Bist du verheiratet?‘, ‚Hast du keine Angst alleine?‘, ‚Wann geht es zurück in die Heimat?‘ und so weiter. Meine ‚Lieblingsfragen‘ ‚Wie teuer ist dein Rad/Handy/…?‘  fehlten natürlich auch nicht. Schließlich wollten sie unbedingt mein Fahrrad fahren, was eigentlich viel zu groß für sie war.

Meine Route nach Cajamarca führte mich vorbei an etlichen Minen, welche häufig durch die massive Umweltzerstörung schon von weitem nicht zu übersehen waren. Die Minen schaffen zwar Arbeit für die Einheimischen, stellte sich mir häufig die Frage, was für Arbeitsbedingungen herrschen und wo das Geld der Minen letztendlich endet. Wie viele Menschen von den Minen abhängig sind, zeigte sich mir vor allem in der Umgebung von Kohleminen.  So waren in einigen Dörfern die Gesichter und Hände sämtlicher Männer komplett schwarz gefärbt.

Eine Begegnung, die ich nicht so schnell vergessen werde, war die mit Jerson. Er ist gerade mal 16 Jahre alt und arbeitet dennoch schon jeden Tag nach der Schule in der nahe gelegenen Mine, um seine Familie zu unterstützen. Genauso wie alle anderen Männer seiner Familie.

Wild campen ist in Peru häufig nicht so einfach, da es einfach zu dicht besiedelt ist. Aber die meisten Peruaner haben kein Problem damit, mich neben ihrem Haus zelten zu lassen.

Straßen und Marktszenen in Cajamarca

„Der Mensch ist der einzige Hüter unserer Natur. Lasst uns um unsere Welt kümmern“ – Solche Schilder habe ich häufig am Straßenrand gesehen aber so ein Schild vor einer Mine aufzustellen fand ich etwas grotesk.

Je weiter ich nach Norden kam, desto größer wurden die Hüte der traditionellen Kleidung der Frauen.

Danke Armando für die Gastfreundschaft!

Eines meiner letzten 5 Soles Menüs (1,50 €). Nudelsuppe und als Segundo Broccoli Saltado

Und dann wurde es plötzlich grün. Nach Monaten in den überwiegend braun-gelben vertrockneten Anden Peru’s war der Anblick von so viel Vegetation eine Wohltat für meine Augen.

Nicht die beste Straße.

In Jaen hilft Fahrradladenbesitzer Miguel Radreisenden mit Schlafplätzen und Reparaturen aus. Nochmals Danke! Meine Bremsen funktionieren wieder wie neu. Als ich an einem Sonntag weiterfahren wollte, traf sich gerade eine Gruppe einheimischer Radfahrer für eine Tagestour. Sie begleiteten mich noch aus der Stadt heraus.

Über 30 Grad, die verdammt hohe Luffeuchtigkeit und Reisterrassen erinnerten mich an Südostasien.

Peru endete wie es begonnen hatte, mit großartiger Gastfreundschaft. Dank Marta und ihrer Familie, die mich in ihrem Haus übernachten ließen. Am nächsten Tag rollte ich Richtung Grenze, um nach fast 5 Monaten dieses großartige und vielfältige Land zu verlassen.

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