Auf nach Peru

blog (1 von 57)Die Casa de Ciclistas in La Paz zu verlassen war nicht einfach. Ein gemütliches Apartment voller anderer verrückter Fahrradreisende, wird nicht so schnell langweilig werden. Doch nach 10 Tagen hatte ich dann doch das Gefühl Richtung Peru aufbrechen zu müssen. Zusammen mit Paul, der gerade erst ein Fahrrad in La Paz gekauft hatte, ging es los. Um die Stadt zu verlassen, mussten wir zunächst erstmal von La Paz nach El Alto hochradeln. Von 3600m auf 4000m auf einer viel befahrenen Straße, keinesfalls ein einfacher Start einer Fahrradtour für Paul. Nach zwei Stunden ließen wir die Andenmetropole schließlich hinter uns, doch das Fahrrad fahren wurde dennoch nicht besser. Eine ewig lange staubig Baustelle und Gegenwind machten den Rest des Tages ziemlich mühsam.
Am nächsten Tag wurde die Landschaft endlich interessanter, obwohl der Gegenwind uns immer noch zu schaffen machte. Am Ende des Abend konnten wir dank eines netten Hausmeister einer Schule in einem Klassenzimmer übernachten. Wahrer Luxus verglichen zu einer eiskalten Nacht im Zelt.

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Endlich kam der Titicacasee in Sicht. Obwohl es noch einige wenige höhere Seen gibt, keiner erreicht die Größe und Tiefe des Titicacasees. Unglaublich, dass auf 3800m Höhe überhaupt so ein riesiger See mit ein Fläche von 3.372 km2 existiert. Teilweise kann mach die andere Seite des Sees mit bloßem Auge nicht erkennen, man fühlt sich wie am Meer. Wir entschieden uns für die einsamere Route entlang des Nordost Ufers. Paul, der die andere Seite schonte kannte, meinte anschließend, dass die Nordostseite definitiv die schönere sei.blog (8 von 57)

blog (9 von 57)Über kleine Schotterstraßen mit fast gar keinem Verkehr ging es Richtung peruanische Grenze. Im letzten Dorf vor der Grenze bekamen wir auf einer winzigen Polizeistation unseren Ausreisestempel. 20km später waren wir in Peru, wobei ein richtiges Grenzschild gab es gar nicht und nur mein GPS zeigte uns, dass wir die Grenze passiert haben . Im ersten peruanischen Dorf, konnte uns die Polizei leider keinen Einreisestempel geben. Dafür wurden wir ins 200km entfernte Puno geschickt. Dass wir dadurch einige Tage mehr oder weniger illegal in Peru waren, störte die Polizisten zum Glück nicht. Ein paar Tage später holten wir uns unsere Stempel im Immigration Office in Puno, was überhaupt kein Problem war. Ich habe sogar ein 6 monatiges Visum bekommen.

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Da wir bis kurz vor Sonnenuntergang keinen Platz zum zelten gefunden, testeten wir die Gastfreundschaft der Peruaner schon an unserem ersten Tag in dem neuen Land. Und wurden umgehend überwältigt. Die Familie die wir fragten, schien erstmal unsere Anfrage nicht ganz genau einzuordnen, aber nach einigen Minuten Diskussion, von der wir nichts verstanden, da die Menschen in dieser Region Quechua sprechen, zeigten sie uns eine Scheune in der wir nächtigen konnten. Wir hatten eigentlich nur nach einem Platz für unsere Zelte gefragte, doch sie bestanden darauf, dass wir drinnen schlafen, es wäre viel zu kalt zum zelten. Dankbar nahmen wir das Angebot an und wurden sogar noch zum essen eingeladen. Zum Glück konnten wir noch von der Gastfreundschaft zurück zahlen und halfen einem der Kinder bei den Englisch Hausaufgaben.

 

 

 

blog (17 von 57)Am nächsten Morgen gab Victor uns noch eine große Schüssel Chuños und geröstete Bohnen mit auf den Weg. Chuños sind gefriergetrocknete Kartoffeln und ein typisches Essen in den Andenregionen von Peru und Bolivien. Durch die tiefen Temperaturen nachts und der intensiven Sonnenstrahlen tagsüber in der Höhe, dauert es nur ein paar Tage die Kartoffeln zu trocknen und so für lange Zeit haltbar zu machen. An dem Morgen vor dem Frühstück halfen wir einige Zeit die Kartoffeln zu schälen.

blog (19 von 57)Den nächsten Abend fragten wir in einem kleinem Ort, ob wir auf einem Spielplatz neben der Kirche zelten können, der Priester hatte kein Problem damit. Kurz nachdem wir unsere Zelte aufgebaut hatten, waren wir umzingelt von bestimmt 15 Dorfbewohnern. Keiner konnte so recht glauben, dass wir nicht frieren würden, obwohl wir erklärten, dass unsere Schlafsäcke uns ausreichend warm halten würden. Es dauerte nicht lange bis eine Familie uns in ihr Haus einlud. Erst versuchten wir uns noch rauszureden, doch letztlich gaben wir nach, packten die Zelte wieder zusammen und folgten ins warme Haus. Letztendlich war es auch viel spannender den Abend mit der Familie zu verbringen und einiges über Peru zu lernen, als alleine im Zelt zu liegen. Morgens wurden wieder mit einem riesen Frühstück überrascht. Reis, Kartoffeln und die Familie muss morgens noch ein Meerschweinchen geschlachtet haben, was eine Spezialität in Peru ist.

 

 

 

 

In einer Kleinstadt bevor Cusco, fragten wir in einer Feuerwehr nach einem Platz zum zelten. Doch statt zu zelten durften in einem 50 Jahre alten ausrangierten Krankenwagen schlafen. Sehr cool. Wir waren nicht die ersten Fahrradreisenden dort, wie Einträge in einem Gästebuch zeigten. Generell sind Feuerwehren beliebte Schlafplätze für Fahrradfahrer in Südamerika.

 

 

 

blog (25 von 57)Schließlich erreichten wir Cusco. Für mich war mal wieder an der Zeit für eine längere Pause, denn meine Mutter hatte spontan beschlossen, mich zu dort für drei Wochen zu besuchen. Wir hatten uns seit meiner Abreise aus Deutschland nicht gesehen, also über 2 Jahre und 9 Monate und dementsprechend war ich gespannt auf den Besuch.

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An Machu Picchu kommt man bei einer Perureise wohl nicht herum, obwohl ich eigentlich gar nicht auf solche großen Touristenattraktionen stehe und ich war im Vorfeld die ganze Zeit hin und gerissen, da es auch nicht gerade billig ist. Doch zusammen mit meiner Mutter musste ich natürlich dorthin und letztendlich hat es sich doch gelohnt. Obwohl ich es als Fahrradreisender absolut nicht gewöhnt bin, so schöne Orte mit hunderten von anderen Touristen zu teilen. Auf dem Rad sehe ich manchmal monatelang keinen einzigen Touristen. Die Zeit als Backpacker während dem Besuch meiner Mutter, hat mir mal wieder die Vorzüge von Reisen mit dem Fahrrad aufgezeigt.blog (32 von 57)Es gibt jede Menge Trekkingmöglichkeiten in der Gegend von Cusco. Ich entschied mich für den Ausangate Circuit. Ein vier bis fünf Tages Trek um den höchsten Berg der Region. Eine unglaublich schöne Wanderung, die Landschaft war einfach der Hammer und vor allem war der Trek alles andere als überlaufen und wir haben nur sehr wenige andere Wander getroffen.

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Der Regenbogenberg.
blog (38 von 57)Ben und Renaud, die ich in meinem Hostel in Cusco kennengelernt habe.

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blog (44 von 57)Die Belohnung nach fünf Tagen am Ende des Treks: Heiße Quellenblog (46 von 57)

Nach drei Wochen in Cusco und Umgebung, war es an der Zeit weiterzuradeln. Meine Mutter flog nach einer tollen gemeinsamen Zeit wieder nach Hause und ich machte mich alleine weiter Richtung Norden. Nach der Pause wollte ich nicht direkt auf anstregenden Schotterstraßen weiterradeln, auch wenn mich solche Strecken eigentlich mehr reizen, sondern entschied mich erstmal für asphaltierte Straßen. Wobei so einfach war es dann auch nicht. Es folgte ein 4000 Meter Pass nach dem anderen mit Tälern unterhalb von 2000 Metern dazwischen. Dementsprechend langsam kam ich voran, doch nach einiger Zeit gewöhnte ich mich an die viele Kletterei und die heißen Temperaturen in den Tälern. Generell bevorzugte ich trotzdem die höheren Lagen. Die dünne Luft machte mir nach der langen Zeit auf dem Altiplano nichts mehr aus, aber vor allem gab es im Gegensatz zu den Tälern keine Moskitos. In dem ersten Tal nach Cusco wurde ich zerstochen wie noch nie in meinem Leben. Ich hatte sicherlich über 50 Stiche jeweils an beiden Armen und Beinen, die auch noch übelst juckten, was vor allem Nachts die Hölle war. In der ersten Stadt kaufte ich direkt Mückenspray, damit war es etwas erträglicher.
blog (47 von 57) blog (48 von 57)Neugierige Kids wecken mich morgens in meinem Zelt.blog (49 von 57)Und ein weiteres Beispiel peruanischer Gastfreundschaft. Frühstück: Avocados, Kartoffeln, Mais

 

 

 

 

blog (53 von 57)Einer der vielen Pässe
blog (54 von 57)Und kurze Zeit später in einem Tal. Das interessante an den großen Höhenunterschieden ist, dass sich die Landschaft, vor allem die Vegetation, ständig ändert. Logischerweise war es auch ein ständiger Wechsel zwischen heiß und kalt. Während die Nächte auf 4000m eisig kalt waren, lag ich die Nächte in den Tälern schwitzend im Zelt.blog (1 von 1)

Obwohl ich nur über asphaltierte Straßen geradelt bin, war der Verkehr alles anderes stressig. Manchmal war die Straße nur einspurig und ich wurde nur ein zwei mal die Stunde von Autos überholt. Jetzt bin ich Huancavelica und gespannt auf die nächste Etappe.

 

 

 

 

 

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