Die letzte Etappe in Argentinien und Chile

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Nach einem Resttag in Fiambala ging es weiter. Allerdings war die Luft ein wenig raus. Über die letzten zwei Wochen war mein einziges Ziel über den Paso de San Francisco zu radeln. Das war nun geschafft.

Zufällig traf ich auf Luis, der auf dem Heimweg nach San Juan war. Nach über zwei Monaten alleine reisen, war es mal wieder etwas anderes mit einem anderen Radler unterwegs zu sein, vor allem wegen der Möglichkeit sich zu unterhalten können. Nach zwei Tagen erreichten wir, mal wieder, die Ruta 40, wo sich unsere Wege wieder trennten. Luis bog nach Süden ab, während ich weiter nach Norden Richtung Salta radelte. Ich sollte allerdings nicht alleine bleiben. Nur 30 Kilometer später traf ich auf Adrien aus Frankreich, der in die gleiche Richtung unterwegs war.

Zusammen radelten wir durch die für mich schon so vertraute trockene staubige Landschaft, wie ich sie schon weiter südlich auf der Ruta 40 erlebt hatte. Gelegentlich wurde es jedoch überraschend grün, meistens wenn wir durch kleinere Dörfer radelten. Es fühlte sich plötzlich gar nicht mehr nach dem Argentinien an, das ich in den letzten Monaten kennengelernt hatte. Es war jedoch eine willkommene Abwechslung für meine Augen und die Dörfer waren, sofern nicht Siesta war, richtig lebendig.

Bevor wir Cafayate erreichten, passierten wir unzählige Weingüter. Der kleine touristische Ort ist bekannt für Wein und als wir dort ankamen.  fand sogar zufällig ein Weinfest mit kostenlosem Probieren statt. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Normalerweise meide ich größere Städte, doch musste ich in Salta meinen vor zwei Monaten beantragen Reisepass im dortigen Konsulat abholen. Ich hatte vorher per Email die Bestätigung von der Botschaft in Buenos Aires bekommen, dass der Pass dorthin abgeschickt worden ist und ich ihn dort abholen könnte. Der Plan war nur ein oder zwei Tage in der Stadt zu verbringen, um dann wieder zurück in Anden zu radeln.

Es kam allerdings anders. Der Pass war noch nicht angekommen und zunächst hieß es, dass die argentinische Post manchmal länger braucht, aber am nächsten Tag sollte er da sein. Das war schließlich die Antwort die ich mir für eine Woche anhören durfte, bis endlich offensichtlich war, dass etwas schief gelaufen ist. Auf Nachfrage in der Botschaft in Buenos Aires, kam heraus, dass der Pass fälschlicherweise nie abgeschickt worden ist, sondern nur im Computersystem als versendet markiert worden ist. Immerhin war dann klar, dass es nur noch ein paar Tage dauert, bis der Pass tatsächlich in Salta ankommt. Von wegen deutsche Zuverlässigkeit. Während der ganzen Warterei, hatte ich immerhin die Zeit mich gegen Gelbfieber impfen zu lassen, was Voraussetzung für die Einreise nach Bolivien sein kann. Es war überraschend einfach und sogar umsonst. Nach fast zwei Wochen in Salta, welche keine besonders spannende Stadt ist, hatte ich endlich meinen neuen Reisepass. Die Reise konnte weitergehen.

blog_pasosico (1 von 38)Wildcamping und kochen mit Luis

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Ein weiterer Tag auf Ruta 40…

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da kommt man sich klein vor

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Der Campingplatz in Salta, wo ich zwei Wochen auf meinen Pass wartete. Kein besonders spannender Ort.

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Und zurück in die Anden.

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Zusammen mit Adrien, der netterweise mit mir in Salta gewartet hatte, ging es zurück in die Anden. Durch ein langes Tal, vorbei an unzähligen Kakteen und über einen 4000m Pass rollten wir nach San Antonio de los Cobres. Wir verbrachten einen Tag zur Akklimatisierung in dem kleinen Städtchen, das nur von Staub und Steinen umgeben ist, bevor wir in Richtung Paso de Sico aufbrachen.

Die letzten Kilometer und Stunden in Argentinien waren angebrochen. Unsere Räder waren schwer beladen, da wir uns mit Essen für etwa eine Woche eingedeckt hatten. Schon nach wenigen Kilometer wurde mir klar, dass es keine einfache Fahrt werden wird. Die Schotterpiste war alles andere als in einem guten Zustand, aber vor allem der konstant wehende Gegenwind machte es zu einem mühseligen Vergnügen. Dennoch schafften wir es am ersten Tag über den erst Hochpunkt auf 4500m.

Ein anderes vom Wind verursachtes Problem war, eine vernünftige Stelle zum Zelten zu finden. Windgeschützte Stellen waren Mangelware. Die Nächte auf über 4000m waren eiskalt, unsere Wasserflaschen froren zu einem Eisblock und das Warten am Morgen auf die aufgehende Sonne wurde jedes Mal zu einer Zitterpartie. Im Sonnenschein wärmte es sich zum Glück recht schnell auf. Die Morgenstunden waren die kostbarsten des ganzen Tages. Zunächst windstill setzte pünktlich um 12 Uhr meistens der Gegenwind wieder ein und wurde im Verlauf des Tages zunehmend stärker. Frühes Aufstehen war daher trotz der Kälte Pflicht.

Eine Nacht Luxus konnten wir an der argentinischen Grenze genießen. Die Beamten ließen uns in einem Raum mit richtigen Betten, Küche, warmer Dusche und sogar Internet übernachten. Das Beste war jedoch die Schüssel voller Empenadas, die uns einer der Polizisten zum Abendessen brachte. Keine schlechte letzte Nach in Argentina!

Bevor wir den Grenzposten verlassen konnten, mussten wir am nächsten Morgen noch durch die Grenzkontrolle. Nach neun Grenzüberquerungen zwischen Chile und Argentinien, kannte ich den Prozess mittlerweile, doch diesmal lief es etwas komplizierter ab. Ein chilenischer Beamter wollte unbedingt eine eingravierte Seriennummer auf meinem Rad finden. Ich sagte ihm, dass das Rad keine Nummer hat, doch er suchte weiter und weiter. Nach 10 Minuten kam er zu demselben Entschluss. Jedoch brauchte er eine Nummer für irgendein Dokument. Bei allen vorherigen Grenzübergängen, war das nie ein Problem und ich habe keinmal ein Dokument für mein Rad bekommen. Wie auch immer, letztendlich hat er einfach irgendeine Nummer genommen und ich durfte den Grenzposten mit dem rätselhaften Papierwisch verlassen.

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Von dem 4000m Pass bevor San Antonio

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Und der erste Hochpunkt auf dem Paso de Sico

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Morgens war es verdammt kalt.

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Olacapato

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Olacapato

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Elf Kilometer später war es dann soweit, ich überquerte zum letzten Mal die Grenze von Argentinien nach Chile. Nach fünf Monaten in Argentinien war es an der Zeit sich endgültig von diesem riesigen und beeindruckenden Land zu Verabschieden.

Die Landschaft veränderte sich, es wurde vulkanischer und es sah zunehmend aus wie in einer anderen Welt. Nach einem weiteren Pass, dem Abra Sico, rollten wir runter in eine Ebene. Es war wie als wenn wir gegen eine Wand gefahren wären. Der Wind war plötzlich so stark, radeln wurde unmöglich. In etwa 4km entfernen konnten wir einen kleinen Polizeiposten sehen. Davon überzeugt, dass wir dort ein windgeschütztes Plätzchen zum Schlafen kriegen würden, begannen wir zu schieben. Die folgenden Kilometer waren sicherlich die frustrierendsten meines ganzen Trips. Der Wind wurde zunehmen stärker und kam nun von der Seite. Alle paar Meter musste ich stoppen, doch war das gar nicht so einfach. Jedes Mal musste mich meinen Körper gegen mein Rad stemmen, andernfalls hätte der Wind das Rad umgeweht. Innerhalb von zwei Stunden schafften wir gerade mal drei Kilometer. Der Posten der Carabineros war nur 800m entfernt, aber der Wind ließ machte ein Weiterkommen unmöglich. Die Böen waren nun so stark, dass ich das Rad kaum noch gerade halten konnte, geschweige denn vorwärts schieben konnte. Verzweifelt legte ich das Rad auf den Boden, setzte mich in den Windschatten und überlegte, was ich machen sollte.

In dem Moment hielt ein Auto neben mir, erst das zweite überhaupt an dem Tag. Sie mussten meine Situation erkannt haben und boten mir direkt an, mich die letzten paar hundert Meter zu fahren. Normalerweise hätte ich das Angebot sofort dankbar abgelehnt. Von Beginn meiner Fahrradreise hatte ich immer die Idee jeden möglichen Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren und bisher musste ich auch nie Kilometer mit dem Auto oder Bus überspringen. Doch ich muss mir eingestehen, an diesem Tag war es schlichtweg nicht möglich dort zu radeln. Dankbar packte ich meinen Kram ins Auto. Allerdings war mir klar, dass ich am nächsten Morgen mit weniger Wind den Abschnitt zurück fahren würde.

Wir fragten die Carabineros, ob wir unser Zelt irgendwo im Windschatten des Hauses aufstellen dürfen, was normalerweise kein Problem sein sollte. Doch die Polizisten bestand darauf uns weitere 6 km zu einer Mine zu fahren, wo wir in einem Bett schlafen könnten. Das Klang eigentlich gar nicht so schlecht, doch wollte ich ja eigentlich jeden Kilometer radeln. Ich erklärte Ihnen mein Problem, doch konnte sie nicht davon überzeugen uns doch dort schlafen zu lassen. In der näheren Umgebung gab es zudem keine weitere windgeschützte Stelle zum Zelten und die 6 km bis zur Mine waren bei dem Wind bzw. Sturm definitiv unmöglich für uns zu schaffen. Enttäuscht packte ich nun schon zum zweiten Mal an dem Tag mein Fahrrad ungewollt in einen Kofferraum.

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Good bye Argentina – Hola Chile – zum letzten Mal

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Nach einem solch anstrengenden Tag war die Mine dennoch ein wahrer Segen. Wir bekamen ein Zimmer mit richtigen Betten und durften die Küche benutzen. Am nächsten Tag stand ich früh auf. Ich hatte den Plan zurück zu radeln, um die verlorenen Kilometer doch noch aufzuholen, doch im Gegensatz zu den vorherigen Morgen, war es alles andere als windstill. Für die 14 km hätte ich wohl den halben Tag gebraucht und die Möglichkeit an derselben Stelle wieder in einem  starken Wind gefangen zu werden, war nicht gerade unrealistisch. Außerdem konnten wir nicht noch eine weitere Nacht in der Mine bleiben. Nach langem Grübeln beschloss ich nicht zurückzufahren, was ich später trotzdem bereute, immerhin ist es meine erste Lücke in meinem Trip.

Stattdessen rollten wir weiter bergab und campten eine Nacht hinter einem Felsen mit einem unglaublichen Blick auf eine Salzlagune. Nach zwei weiteren Tagen die es hauptsächlich bergab ging, erreichten wir schließlich San Pedro de Atacama, meinem letzten Halt in Chile, bevor es nach Bolivien geht.

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perfekter Campspot

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Und wieder in den Tropen…

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