Von Bariloche nach Norden

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Der Nahuel Huapi See bei Bariloche

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In Bariloche war es wieder an der Zeit für eine längere Pause. Die holprigen Schotterpisten der Carrertera Austral hatten ihre Spuren hinterlassen. Zum Glück wussten wir von einer Casa de Ciclistas in Bariloche. Estebans Haus zu finden war allerdings gar nicht so einfach, die richtige Straße fanden wir schnell, doch Hausnummer haben in Argentinien scheinbar überhaupt kein System. Letztendlich fanden es jedoch und wurden direkt herzlich von Esteban in seinem Garten begrüßt.

Wir hatten keinen Plan, wann es weitergehen sollte und keiner von uns beiden schien sonderlich motiviert zu sein, schnell weiterzureisen. Die Tage vergingen und wir machten eigentlich nicht viel, obwohl man um Bariloche einiges unternehmen hätte können. Doch nachdem wir einen Monat fast jeden Tag weitergezogen sind und ständig von einer großartigen Landschaft umgeben waren, war das Verlangen größer, nur faul im Garten rumzuliegen, zu essen und den Luxus eines Hauses zu genießen.

Wir waren zudem nicht die einzigen Gäste. Neben Estebans Cousin, der samt Familie zu Besuch war, waren noch andere Radler und Freunde dort. Jeden Abend waren Wohnzimmer und Küche rappelvoll. Wie es in Argentinen üblich ist wurde immer ziemlich spät zu Abend gegessen. Nicht vor 10 Uhr und an manchen Tagen war es fast schon Mitternacht.

Im deutschen Konsulat beantragte ich außerdem noch einen neuen Reisepass, da meiner bald abläuft. Es war recht amüsant mal wieder in einem deutschen Büro zu sein. Das Ganze war einiges einfacher als gedacht, allerdings musste ich etwa das Doppelte als in Deutschland bezahlen. Aber ohne Pass reist es sich nicht so leicht.

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Einer von viel Seen an der Ruta de los Siete Lagos

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Was ein Ort um 20.000km voll zu machen.

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Nach einer knappen Woche schafften wir es schließlich doch den Komfort hinter uns zu lassen. Über die Ruta de los Siete Lagos, was Straße der sieben Seen bedeutet, ging es Richtung San Martin de los Andes. Der Name klang schon ziemlich vielversprechend. Zunächst mussten wir aber einen halben Tag über eine vielbefahrene Straße radeln und leider kann ich nicht viel Gutes über einige argentinische Autofahrer berichten. Ein Bus überholte mich so knapp und hupte – aus mir unerklärlichen Gründen – auch noch genau neben mir. Durch den Schreck wechselte ich automatisch vom Asphalt auf den losen Schotter neben der Straße, der mich jedoch zum Fallen brachte. Zum Glück ist nichts passiert. Yasko, der nur wenige Meter hinter mir war, sagte es hätte tatsächlich so ausgesehen, als wenn der Busfahrer mich von der Straße schieben wollte.

Am nächsten Tag war der Verkehr weitaus ruhiger und es ging bei bestem Wetter weiter vorbei an etlichen Seen und Flüssen. Irgendwo auf diesem Abschnitt machte ich den 20,000. Kilometer auf meinem Rad. Auch wenn es nur eine Nummer ist und das Ziel meiner Reise alles andere als möglichst viele Kilometer sind, war es ein besonderer Moment. Ich hätte niemals gedacht soweit zu radeln, ehrlich hatte ich niemals geplant überhaupt mit dem Rad zu reisen oder nach Südamerika fahren, als ich vor bald zweieinhalb Jahren gestartet bin. Ich bin gespannt wo mich die nächsten 20,000 km hinführen.

Während den letzten 20km nach San Martin de los Andes merkte ich, dass irgendwas mit der Hinterradnabe und dem Freilauf nicht stimmte. Irgendwie schaffte ich es noch zum nächsten Fahrradladen in der Stadt, wo die Nabe schließlich komplett den Geist aufgab. So ein Glück, dass das nicht mitten im nirgendwo passiert ist. Der Fahrradladen konnte mir eine neue Nabe ins Hinterrad bauen, allerding dauerte es den ganzen Tag. Während Yasko und ich also in einem Park warteten trafen wir auf Roxanne und Pablo. Die beiden sind ebenfalls Fahrradreisende und sind erst vor kurzem losgefahren, nachdem sie ihr Jobs aufgegeben hatten. Nach ein paar Minuten quatschen, luden sie uns direkt in ihre Wohnung ein. Eigentlich war es die Wohnung von ihren Freunden, aber diese waren selbst für ein paar Tage unterwegs, weshalb Pablo und Roxanne dort für die Zeit wohnen konnten. Es folgte ein großartiger Abend, mit gutem Essen und interessanten Gesprächen, vor allem über Kuba, wo die beiden fünf Jahre studiert hatten. Ich liebe diese Unberechenbarkeit meiner Reise. Am Morgen hätte ich niemals mit so einem Tagesverlauf gerechnet und am Ende war ich sogar irgendwo froh, dass die Nabe kaputt gegangen ist, sonst hätten wir niemals Pablo und Roxanne getroffen.

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Yakso, Ich und unsere großartinge Gastgeber Roxanne und Pablo

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Die Kreuzung von wir getrennte Wege gingen

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Siesta am Rio Alumine

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Der nächste Tag war der letzte gemeinsame mit Yasko. Ich hatte nie ein Problem damit alleine zu reisen, ehrlich gesagt hat es sogar viele Vorteile. Doch wenn man sich einmal an einen Reisepartner gewöhnt hat, ist es jedes Mal ein wenig merkwürdig, wieder alleine zu weiter zu radeln. Vor allem weil Yasko und ich ein klasse Team waren, wir hatten eine ähnliche Geschwindigkeit und meist gleiche Vorstellung von Schlafplätzen, was häufig nicht der Fall ist, wenn man andere Radler trifft. Nachmittags trennten sich jedoch unsere Weg. Er fuhr Richtung Osten nach Buenos Aires und für mich ging es weiter nordwärts.

Von hier hatte ich keinen konkreten Plan, wie ich weiterfahren sollte. Entweder wieder nach Chile fahren oder in Argentinien bleiben. Ich wusste nicht was der schönere Weg sein sollte und hatte mich auch nicht allzu viel über die Gegend informiert. Letztendlich entschied ich mich spontan dazu erstmal in Argentinien zu bleiben und den Rio Alumine zu folgen. Für zwei Tage fuhr ich durch ein recht einsames Tal. Kaum Autos, kaum Häuser und die einzigen Menschen auf die ich traf waren Gauchos auf ihren Pferden. Auch die Landschaft hatte sich verändert. Es war sehr viel trockener, staubiger und felsiger. Der Fluss allerdings war wie eine Oase. Ich genoss die Einsamkeit, obwohl es sich noch ein wenig merkwürdig anfühlte wieder alleine unterwegs zu sein. Es war definitiv ein neuer Abschnitt meiner Südamerika reise.

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Araucaria Bäume

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Eindrucksvoller Sonnenuntergang am Lago Alumine

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Ein lange Weg bergauf über den Paso Pino Hachado

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Vom Lago Alumine kehrte ich nach Chile zurück, allerdings nur für einen Tag. Über den Paso de Ilcama ging es nach Chile und 50 km später über den Paso Pino Hachado zurück nach Argentinien. Letzterer war der erste längere Anstieg den ich in Südamerika zu bewältigen hatte. Über etliche Serpentinen ging es 900 Höhenmeter auf 18000m hoch. Einer erster, wenn auch im Vergleich leichter, Vorgeschmack auf was mich weiter im Norden in den Bergen erwarten wird. Ich schaffte es bis kurz vor der Dunkelheit zum Argentinischen Grenzposten, wo ich zeltete. Am nächsten Morgen genoss ich den 50km bergab bis nach Las Lajas, von wo ich mal wieder auf der Ruta 40 weiter radeln werde.

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Einer erster Eindruck, was mich auf der Ruta 40 erwarten wird.

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