Carretera Austral

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Die Casa de Ciclistas in El Chalten war genau das was ich brauchte. Wie der Name „Haus für Fahrradfaher“ andeutet, lässt „Besitzerin“ Florencia Fahrradreisende für umsonst in ihrem Garten zelten und das Haus mit benutzen. Und da so gut wie jeder, der in Patagonien reist in El Chalten stoppt, war Haus ständig voller Radler. Die Küche war das Zentrum des Hauses. Es wurde zusammen gekocht und gegessen, Reiseerlebnisse erzählt und Informationen ausgetauscht und so weiter. Für mich war es zudem eine super Gelegenheit mehr Spanisch zu lernen. Es fühlte sich ein wenig an wie zu Hause und für mich war es demnach alles andere als schwer dort für über eine Woche hängen zu bleiben. Es tat gut für mehrere Tage die gleichen Leute um sich zu haben. Vor allem Florencia machte den Ort einzigartig. Trotz der vielen Leute in ihrem Haus versuchte sie sich um jeden zu kümmern. So wurde ich mit einer riesen Portion Reis und Ei begrüßt. Vermutlich konnte man mir meine Erschöpfung ansehen.

Ich hätte vermutlich eine ganze Woche faul im Zelt liegen können, doch Berge wie Fitz Roy und Cerro Torre wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zusammen mit Javier, der mit Rad Richtung Süden unterwegs war und während der Zeit in El Chalten als mein Spanisch fungierte, ging es schließlich für einige Tage in den National Park.

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Javier, Trekkingparner und mein Spanisch Lehrer

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Die Casa de Ciclistas in El Chalten

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Von El Chalten gibt es keine direkte Straße nach Chile, doch mit zwei Fähren kann man Villa O’Higgins in Chile erreichen. Allerdings gibt es zwischen den beiden Fähren nur einen Wanderweg. Für Fahrradfahrer heißt es also schieben, schieben, schieben. Nachdem ich in El Chalten all die Geschichten über die abenteuerliche Grenzüberquerung von anderen Radlern gehört hatte, war ich ziemlich gespannt darauf.

Zusammen mit Yasko und Marco startete ich Richtung Lago del Desierto. Auf der Fähre stoß noch David dazu und nachdem wir uns auf der anderen Seite des Sees am argentinischen Grenzposten unsere Ausreisestempel abgeholt hatten, ging es los. Es war schon relativ spät, doch wir wollten die ersten 7 km bis zum höchsten Punkt und eigentlich Grenzen noch schaffen, um den anstrengendsten Teil hinter uns zu haben, denn danach sollte es eine Schotterstraße bis zur zweiten Fähre geben. Der Weg war tatsächlich alles andere als geeignet für unsere Fahrräder und glich eher einem tiefen engen Graben als einem Weg. Mein Rad passte nicht immer hindurch und mir blieb nichts anderes übrig als meine Taschen separat hochzutragen. Einige Stellen waren allerdings sowieso so steil, dass ich mein Rad vollbepackt niemals alleine hätte hochschieben können. Zum Glück konnten wir uns gegenseitig helfen. Für die 7 km, die wir ausschließlich schoben, brauchten wir mindestens drei Stunden. Wenn es nicht zu steil war, war es zu matschig oder Weg war voller Steinblöcke oder Wurzeln. Als wir endlich das Grenzschild sahen waren wir mehr als erleichtert, den Moment werde ich nicht vergessen.  Von dort aus waren es nur noch 15 km über eine Schotterpiste zur nächsten Fähre. Wir campten an der Grenze und fuhren am nächsten Tag weiter. Bis zur Fähre mussten wir noch einige Flüsse überqueren. Wieder hieß es: Gepäck abmachen und einzeln rüber tragen.  Am Fähranleger angekommen, sprang ich erstmal ins eiskalte und unglaublich blaue Gletscherwasser.

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Yasko, Marco, David und ich

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Nach dem steilen Anstieg wurde es matschig

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Endlich oben an der Grenze angekommen

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mal eine etwas andere Flussquerung

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Villa O’Higgins ist der südlichste Ort auf der Carretera Austral. Die Straße wurde erst in den 80er Jahren von der chilenischen Armee gebaut, um diese dünn besiedelte Region Chiles besser zu verbinden. Das südlichste Stück ist sogar erst im Jahr 2000 fertiggestellt worden.

Zusammen mit Yasko startete ich Richtung Norden. Uns wurde schnell klar, dass wir weitaus langsamer sein werden als gedacht. Der Großteil der Carretera ist nur eine Schotterpiste, mal in einem besseren und mal in einem schlechteren Zustand. Dazu geht es auf und ab und auf und ab, mit teils grenzwertigen Steigungen. Dafür war die Landschaft umso großartiger und ließ all die Anstrengung vergessen. Berge, Täler, Gletscher, Flüsse, Seen, Wasserfälle und kaum Verkehr. Was will man mehr?

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Yasko kletterte in eine Seilbahn neben einer Brücke

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An unserem ersten Tag begegneten wir zufällig einem Angler an einem See, während wir mit ihm quatschten biss sogar ein Fisch an, den er uns ohne zu zögern schenkte. Das Abendessen war gesichert. Am gleichen Tag erreichten wir abends eine kleine Holzhütte. Vermutlich ursprünglich von Straßenarbeitern errichtet, wird diese nun scheinbar hauptsächlich von Fahrradreisenden als Unterkunft genutzt. Vorherige Radler hatten Gewürze und andere Dinge hinterlassen und die Holzwände waren voller Unterschriften. Ein perfekter Start auf der Carretera.

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Unser zu Hause für eine Nacht

blog (26 von 72)und nochmal von außen.

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Abendessen

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In den nächsten Tagen ging es weiter durch die beeindruckende Landschaft. Abends fanden wir meist einen Ort zum campen an Flüssen, machten Feuer und genossen die Landschaft.

Auch wenn ich vorher noch nicht wirklich viel von der Carretera Austral gehört hatte, scheint alles andere als ein Geheimtipp zu sein. Nirgendwo anders habe ich mehr Radler getroffen als hier. Einen Tag zählten wir über 20. Alle kamen uns entgegen, da dies scheinbar die einfachere Richtung zu fahren ist. Zum Vergleich, in Indonesien hatte ich in zwei Monaten keinen einzigen Fahrradreisenden getroffen und auch in den anderen Ländern war es immer was Besonderes auf Gleichgesinnte zu stoßen. Ich betrachtete als selbstverständlich jedes Mal anzuhalten und zu quatschen. Bei 20 pro Tag hörten wir jedoch irgendwann auf für jeden anzuhalten.

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Die Staubwolken nach jedem Auto waren ätzend.

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Hoch und runter ging es fast ununterbrochen

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Die zahlreichen Gletscherseen und -flüsse hatte meiste eine unglaublich krasse Farbe.

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Die chilenische Regierung steckt scheinbar immer noch viel Geld in die Verbesserung der Straße, so sind auf einigen Abschnitten lange Baustellen. Überall stehen Schilder der Regierung, die die Infrastrukturprogramme bewerben. Für uns bedeuten diese Abschnitte viel Warterei. Teilweise wird ein Abschnitt sogar für Sprengungen den halben Tag komplett gesperrt.

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Warten vor einer Baustelle

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Dynamit

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Diese stacheligen Pflanzen waren extrem nervig

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Wasser muss man auf der Carretera nur selten lange suchen

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Endlich Asphalt.

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An Flüssen ließen sich immer gute Campspots finden

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Richtung Norden wird die Gegend ein wenig mehr besiedelter. Bauernhöfe und dementsprechend viele Zäune machten das Zelten ein wenig schwieriger, doch wenn man freundlich fragt, findet man immer ein Plätzchen. Ein Farmer ließ uns sogar direkt neben seinem Haus zelten. Eine Nacht werde ich nicht vergessen. Um vier Uhr morgens weckte mich Yasko, der ohne Zelt einfach draußen geschlafen hatte, auf, und fragte verzweifelt nach meiner Taschenlampe. Der Farmer’s Hund hat alle seine Sachen über den ganzen Hof verteilt. Als er nach einer Viertelstunde das Meiste wieder zusammengesammelt hatte, fehlten sechs Eier und drei Packungen Kekse, die der Hund wohl verspeist hatte. Irgendwie hat er es sogar geschafft, den Reißverschluss von Yaskos Lenkerstasche zu öffnen. Seinen Rucksack hat er leider einfach aufgebissen. Zum Glück hatte ich mein Essen in meinem Zelt, aber von meiner faltbaren Schüssel sind nur Stücke übrig geblieben.

Über Futaleufu verließen wir die Carretera Austral und Chile, um nach Bariloche zu radeln. Vorher entschieden wir aber gegen die schnellere asphaltierte Straße und machten dafür einen Abstecher in den Los Alerces National Park. Es regnete die ganze Nacht bis mittags, doch dann wir zu faul um weiter zu fahren, so blieben wir den ganzen Tag an einem wunderschönen See.

Bariloche ist ein weiterer Meilenstein. Bis hier war meine Route mehr oder weniger klar, da es nicht allzu viele Alternativen gibt. Von hier aus habe ich noch nicht viel geplant, ich bin gespannt wo es lang geht.

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Am Morgen…

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…und am Abend.

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Wieder auf Ruta 40

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