Durch die Pampa

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Mit Puntas Arenas hatte ich die südlichste Stadt auf amerikanischem Festland erreicht. Nach den anstrengenden Tagen im Wind und auf Schotter war ich froh einen Couchsurfing Host gefunden zu haben. Das Bett tat richtig gut. Mein Plan war eigentlich am nächsten Tag schon weiter zu radeln, das ich nur für eine Nacht beim meinem Host bleiben konnte, doch der Wetterbericht sagte nichts Gutes voraus. Wind bis zu 100 km/h. An den Tagen zu vor hatte ich meine Probleme bei  50 km/h und ich glaubte nicht bei dem doppelten überhaupt vom Fleck kommen zu können. So blieb mir nichts anderes übrig, als in ein Hostel mit Campingplatz umzuziehen.

Ich war seit Ewigkeiten in keinem Hostel gewesen, da ich normalerweise immer andere Übernachtungsmöglichkeiten für umsonst finde. Allerdings genoss ich es diesmal unter anderen Reisenden zu sein und Stories auszutauschen. Zudem war es Weihnachten, mittlerweile das dritte in Folge, dass ich nicht zu Hause mit meiner Familie verbrachte. Der Chef des Hostels bereitete Asado, das spanische Wort für grillen, vor. Nach dem Weihnachten in Indien vor zwei Jahren und letzten Jahr im Outback Australiens, war es bisher das geselligste Weihnachten auf meiner Reise.

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Am nächsten Tag wehte für patagonische Verhältnisse kaum ein Wind, was dort nicht allzu häufig vorkommt. Diese Chance musste ich natürlich nutzen und brach in Richtung Puerto Natales auf.  Wenige Kilometer nach dem Ortsausgang hatte mich die Grassteppe der Pampa wieder. Viele Radfahrer finden es alles andere als spannend in ein einer solchen Einöde zu radeln, ich bin doch immer wieder fasziniert von der endlosen Weite. Als einzelner Mensch in dieser einsamen weiten Gegend ist einfach großartig und gibt mir das Gefühl von Freiheit. Leider wurde das Freiheitsgefühl  von den Zäunen rechts und links ein wenig eingeschränkt. Oft hatte man gerade mal zehn Meter auf beiden Seiten der Straße Platz. Abends fand ich jedoch meistens ein paar Büsche hinter denen ich mein Zelt etwas versteckt aufstellen konnte.

Einen Abend fragte ich einen Farmer ob ich auf seinem Land irgendwo zelten könnte, in der Hoffnung etwas windgeschützt zu sein. Wie schon die Farmer in meinen zuvor bereisten Ländern, war überhaupt kein Problem und ich durfte mein Zelt zwischen zwei Scheunen aufbauen. Als ich gerade damit fertig war, kam der Farmer zurück und meinte es wäre viel zu kalt zum Zelten und ich sollte doch lieber ins warme Haus kommen. Meine Erklärung, dass ich einen guten Schlafsack habe und nicht frieren werde, scheiterte an meinen Spanisch Kenntnissen und ich folgte ihm zunächst für einen Kaffee ins Haus. Dort gab es dann nicht nur Kaffee sondern ein ganzes Abendessen zum ich selbstverständlich eingeladen war. Es tat so gut in einem warmen Raumen zu sein, dass ich das Angebot im Haus zu schlafen annahm und mein Zelt wieder abbaute.  Außerdem war es eine super Gelegenheit mehr Spanisch zu lernen, da natürlich kein Englisch gesprochen wurde und ich mein wenigen Spanischkenntnisse anwenden musste.

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In Puerto Natales, wo ich bei meinen Warmshowers Hosts Kuto und Liss für ein paar Tage unterkam, wechselte ich schließlich das Tretlager nach über 18000km, bevor es weiter in den Torres del Paine National Park ging. Es war ein Umweg über eine lange Schotterpiste, aber den Park wollte ich mir trotzdem nicht entgehen lassen. Als ich abends in Sichtweite der markanten Berge des Parks zeltete und den Sonnenuntergang genoss, hatte sich der Umweg schon gelohnt. Doch der nächste Tag wurde noch besser, das Wetter war perfekt und mit jedem Kilometer kam ich den Bergen näher und die Aussicht wurde spektakulärer. Allerdings wurde die Straße auch immer schlechter und ich war weit davon entfernt mein Tagesziel zu erreichen. Der Schotter war teilweise extrem lose und fast durchgängig wellig. Eigentlich hatte ich geplant bis zu einem Hotel auf der anderen Seite des Parks zu radeln und dort mein Rad stehen zu lassen, um zu einem Umsonst Campingplatz weiter höher in den Bergen zu wandern. Daraus wurde nichts und ich musste verbotenerweise wildcampen. Es war Sylvester und statt Feuerwerk hatte ich einen großartigen Sonnenuntergang mit Blick auf die Bergkette und das nur für mich allein. Im Umkreis von einigen Kilometern war ich vermutlich der einzige Mensch. Das war mal ein etwas anderer Jahreswechsel.

Am nächsten Morgen schaffte ich es dann zu dem Hotel, ließ mein Rad dort stehen und wanderte ein paar Stunden hoch zu den sogenannten Türmen, wo ich auch campte. Der Torres de Paine Nationalpark ist eine der Haupttouristenattraktionen in Patagonien und eines der beliebtesten Trekkinggebiete. Ich hatte keine einsame Wanderung erwartet, doch dass man mehr oder weniger in einer Schlange den Berg hochläuft hätte ich nicht gedacht. Ich glaube als Fahrradreisender reagiert man irgendwann sensibler auf zu touristische Gegenden und kann solche nicht mehr so recht genießen, jedenfalls geht es mir so. Aus meinem Plan mehrere Tage dort zu trekken wurden letztendlich nur zwei.

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Um zu argentinischen Grenze zu kommen, musste ich wieder ein Stück gen Süden radeln, wodurch ich endlich mal in den Genuss von Rückenwind kam. Auf der schlechten Schotterstraße war das allerdings kein allzu großer Vorteil. Am argentinischen Grenzposten, der sich wieder mitten im Nichts befand, fragte ich ob ich irgendwo zelten könnte. Daraufhin führte mich einer der Grenzpolizisten zu einem verlassenen Haus wenige Meter weiter, so musste ich nicht mein Zelt in dem starken Wind aufbauen. Nur wenige Minuten später trafen noch vier weitere Radler aus der anderen Richtung ein. Zum Glück war das Haus groß und wird hatten fast jeder ein Zimmer für sich.

Von der Grenze führt die Ruta 40 erneut nur durch einsame Pampa. Ich beschloss der alten Ruta 40 zu folgen, was eine 70km Abkürzung ist, allerdings nur Schotter und kein Asphalt. Die Straße bestand teilweise aus großen Steinen und erinnerte mehr an ein Flussbett als an eine Straße. Abends passierte ich einen Polizeiposten, das einzige Hause auf der ganzen Straße, soweit ich mich richtig erinnern kann. Leider war niemand dort, den ich hätte fragen können, ob ich mein Zelt hinter dem Haus aufstellen könnte, aber ich dachte es würde sowieso niemand stören. Kurze Zeit später, es war schon dunkel, hörte ich ein Auto neben meinem Zelt parken. Ich steckte meinen Kopf aus meinem Zelt und fragte, ob es ist ok ist, was es natürlich war. Am nächsten Morgen kochte der Polizist mir sogar einen Kaffee. Ich war sicherlich nicht der erste Radler dort. Leider konnte ich mit meinem Spanisch nicht fragen, was der Sinn der Polizeistation mitten im Nichts ist. Ich kann mir nicht vorstellen,  dass er dort allzu viel Arbeit hat.

Als ich wieder auf dem Asphalt war, fühlte es sich so viel leichter an zu radeln, doch ungefähr zur gleich Zeit setzte der Gegenwind ein. Im Verlauf des Tages wurde dieser immer stärker, bis ich kaum noch vorwärtskam. Ich erreichte die Kreuzung nach El Calafate, das 35 km entfernt von der Ruta 40 liegt, und beschloss spontan den Ort, der ohnehin äußerst touristisch sein soll, auszulassen, da ich absolut keine Lust hatte weiter gegen den Wind zu radeln. Am nächsten Tag schaffte ich es irgendwie bis zur Kreuzung nach El Chalten. Von dort waren es nur noch 90km, doch direkt gegen den Wind. Erneut war ich nur von flacher Pampa umgeben und Zäune hinderten mich weiter als 20 Meter von der Straße wegzugehen. Es war so windig, dass ich nach einigen aufgab mein Zelt aufzustellen und schlief stattdessen einfach auf dem Boden.

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blog-26Als ich morgens von einem großartigen Sonnenaufgang mit Blick geweckt wurde und am Horizont schon Fitz Roy und Cerro Torre erkennen konnte, wehte überhaupt kein Wind. Es war das Beste was überhaupt passieren konnte und ich packte erleichtert meine Taschen. Es war keine einzige Wolke am Himmel und ich fuhr 90 km immer mit dem Blick auf die Berge. Nachmittags erreichte ich schließlich El Chalten. Nach neun Tagen war ich endlich wieder in einer Stadt, meine Essensvorräte haben überraschenderweise solange gehalten, aber ich freute mich endlich was Frisches zu essen. Von anderen Radlern habe ich von einer Casa de Ciclistas gehört, ein Haus für Fahrradfahrer. Der Ort hörte sich den Erzählungen nach perfekt für eine längere Pause vom Radeln an, die ich auch dringend brauchte.

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