Feuerland

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Ich hätte niemals damit gerechnet, dass mich diese Reise noch nach Südamerika bringt und so richtig realisiert hatte ich es auch nicht, dass ich wenige Stunden später auf einem neuen Kontinent sein werde, als ich am Flughafen in Auckland eincheckte. Dann auch noch Feuerland. Als Kind habe ich auf Karten oft auf diesen abgelegenen Teil der Erde geschaut und mich gewundert, wie es da “unten“ wohl aussieht.

Mit dem Pazifik überfliegt man auch die Datumsgrenze, so kam es das mein Flug um 19 Uhr abhob und um 15 Uhr des gleichen Tages in Buenos Aires landete. Nach über 12 Stunden Aufenthalt dort, während dem ich den Flughafen wechseln musste, was zum Glück trotz meines ganzen Gepäcks unkompliziert verlief, kam ich nach fast 30 Stunden endlich am „Ende der Welt“ in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, an.

Übermüdet und frierend, es herrschten nur Temperaturen im unteren einstelligen Bereich, empfingen mich meine Couchsurfing Gastgeber Soledad und Samuel am Flughafen. Beide sprachen nur sehr wenig Englisch und ich bekam direkt die Chance mein kaum vorhandenes Spanisch auszuprobieren. Irgendwie funktionierte es aber mit der Kommunikation, ich habe in den ersten Tagen vermutlich mehr Spanisch gelernt als in den ganzen Wochen zuvor mit Internet und Audioübungen.  I hoffe ich lerne die Sprache schnell.

Die ersten Tage brauchte ich zunächst um den Jetlag loszuwerden und mich an das neue Land zu gewöhnen. Das Haus meiner Gastgeber war perfekt dafür. Ich erlebte erneut fantastische Gastfreundschaft und lernte direkt einiges über argentinische Kultur. Eine Sache an die ich mich noch gewöhnen muss, ist das späte Abendessen. Vor 23 Uhr fing zumindest hier keiner an zu essen.

Bevor ich Richtung Norden aufbrach, ging es noch in den Tierra del Fuego National Park zum südlichsten Punkt, den man per Straße auf dem amerikanischen Kontinent erreichen kann. Eigentlich hatte ich noch geplant gehabt, die eine oder andere Tageswanderung dort zu machen, doch das Wetter war alles andere als einladend. Regen, Schneeregen, Nebel und nur sehr selten für wenige Minuten Sonne. Richtung Norden kann es ja nur wärmer werden, hoffte ich.

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Nach drei Tagen in Ushuaia ging es schließlich los. Ushuaia ist umgeben von einer Bergkette, den südlichen Ausläufern der Anden, die noch schneebedeckt waren. Es galt einige Anstiege zu bewältigen, bevor ich die weite flache Pampa erreichte. Die Tage waren lang und ich hätte bis fast elf Uhr im hellen fahren können. Ungewohnt, aber definitiv eine Sache die ich vermisst habe.Bevor ich die nächste Stadt Rio Grande erreichte, bekam ich erstmals den hier berüchtigten Wind zu spüren. Es hatte den ganzen Morgen geregnet, doch innerhalb fünf Minuten klarte es auf und der Wind begann. Natürlich entgegen meiner Richtung. Zum Glück hatte ich in Rio Grande einen Warmshowers Host gefunden, wo ich mich nochmals zwei Tage ausruhen konnte.

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Die kurze Pause brauchte ich auch, denn der Wind stoppte nicht. Mit 10km/h im Schnitt schaffte ich es irgendwie nach San Sebastian zu Grenze nach Chile. Der Wind kam schräg von der Seite und schob mich immer wieder mal vom Asphalt auf den Schotter neben der Straße. San Sebastian ist keine wirkliche Ortschaft, neben den Grenzgebäuden gibt es nur eine Handvoll weitere Häuser. Ich fragte, ob ich irgendwo zelte könnte und mir wurde der Warteraum gezeigt. Zum Glück war ich der Einzige dort und ich konnte meine Matratze auf einer Bank ausbreiten.

Die Grenzüberquerung verlief unkompliziert, bis auf, dass man keine frischen Lebensmittel nach Chile einführen darf. Erst dachte ich noch, dass ich meinen Beutel Karotten nicht deklarieren werde. Aber nachdem ich gesehen hatte, wie ein Motorrad komplett durchsucht wurde, entschied ich kein Risiko einzugehen. Schade um die Möhren.

Der Wind wehte noch genauso stark aus der gleichen Richtung und zu allem Übel war die Straße nur noch eine Schotterpiste bis zur Fähre in Porvenir. Ich kam kaum vorran und fragte mich ob ich es überhaupt schaffen würde ehe ich kein Essen mehr habe. Die Landschaft trug ebenfalls nicht dazu bei, dass ich das Gefühlt vorwärts zu kommen. Die Berge waren schon längst nicht mehr zu sehen und ich war nur von der unendlich erscheinenden Grassteppe umgeben. Es erinnerte mich an meine Zeit im australischen Outback. Es gab nur wenig Verkehr, aber jedes Auto hinterließ mich in einer Staubwolke. Gelegentlich traf ich auf Guanacos, die Wildform von Lamas, welche nicht so recht wussten, was sie von einem Fahrrad halten sollen.

Abends hatte ich immerhin knapp 60km geradelt und ich fand eine leere Hütte, die schon zuvor von Radlern als Unterkunft benutzt worden war. An den Wänden hatten einige ihre Signatur hinterlassen. Die Hütte war bei dem Wind ein wahrer Segen.

Ich stellte den Wecker für 5 Uhr in der Hoffnung, ein paar Stunden in schwächerem  Wind zu radeln, da dieser angeblich über Nacht meistens ein wenig abflacht. Überraschenderweise herrschte morgens zunächst überhaupt kein Wind. Als nach zwei  Stunden ein wenig Wind einsetzte hatte ich schon halb so viele Kilometer hinter mir wie am gesamt Vortag. Ich war erleichtert, dass ich es nun zumindest am nächsten Tag rechtzeitig zu 14 Uhr Fähre schaffen würde und bis dahin auf jeden Fall genügend Essen. Ohne den starken Wind war das Radeln so viel einfacher  und ich genoss es sogar wieder.

Tatsächlich kam ich sogar noch am gleichen Tag in Porvenir an. An der Fähre, die etwa 5km außerhalb abglegt, fragte ich in einem Cafe, ob ich mein Zelt nebenan aufstellen kann. Zum Glück war es alles andere als ein Problem. Ich wurde sogar eingeladen im beheizten Haus zu kochen, was richtig gut tat, nach den paar Tagen im Wind. Am nächsten Tag nahm ich die Fähre und setze über die Magellanstraße auf amerikanisches Festland über. Feuerland werde ich wohl nun für immer mit ein paar richtig anstrengenden Fahrradtagen verbinden. Vielleicht sogar die anstrengendsten, die ich bisher hatte.

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