Die letzte Etappe in Argentinien und Chile

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Nach einem Resttag in Fiambala ging es weiter. Allerdings war die Luft ein wenig raus. Über die letzten zwei Wochen war mein einziges Ziel über den Paso de San Francisco zu radeln. Das war nun geschafft.

Zufällig traf ich auf Luis, der auf dem Heimweg nach San Juan war. Nach über zwei Monaten alleine reisen, war es mal wieder etwas anderes mit einem anderen Radler unterwegs zu sein, vor allem wegen der Möglichkeit sich zu unterhalten können. Nach zwei Tagen erreichten wir, mal wieder, die Ruta 40, wo sich unsere Wege wieder trennten. Luis bog nach Süden ab, während ich weiter nach Norden Richtung Salta radelte. Ich sollte allerdings nicht alleine bleiben. Nur 30 Kilometer später traf ich auf Adrien aus Frankreich, der in die gleiche Richtung unterwegs war.

Zusammen radelten wir durch die für mich schon so vertraute trockene staubige Landschaft, wie ich sie schon weiter südlich auf der Ruta 40 erlebt hatte. Gelegentlich wurde es jedoch überraschend grün, meistens wenn wir durch kleinere Dörfer radelten. Es fühlte sich plötzlich gar nicht mehr nach dem Argentinien an, das ich in den letzten Monaten kennengelernt hatte. Es war jedoch eine willkommene Abwechslung für meine Augen und die Dörfer waren, sofern nicht Siesta war, richtig lebendig.

Bevor wir Cafayate erreichten, passierten wir unzählige Weingüter. Der kleine touristische Ort ist bekannt für Wein und als wir dort ankamen.  fand sogar zufällig ein Weinfest mit kostenlosem Probieren statt. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Normalerweise meide ich größere Städte, doch musste ich in Salta meinen vor zwei Monaten beantragen Reisepass im dortigen Konsulat abholen. Ich hatte vorher per Email die Bestätigung von der Botschaft in Buenos Aires bekommen, dass der Pass dorthin abgeschickt worden ist und ich ihn dort abholen könnte. Der Plan war nur ein oder zwei Tage in der Stadt zu verbringen, um dann wieder zurück in Anden zu radeln.

Es kam allerdings anders. Der Pass war noch nicht angekommen und zunächst hieß es, dass die argentinische Post manchmal länger braucht, aber am nächsten Tag sollte er da sein. Das war schließlich die Antwort die ich mir für eine Woche anhören durfte, bis endlich offensichtlich war, dass etwas schief gelaufen ist. Auf Nachfrage in der Botschaft in Buenos Aires, kam heraus, dass der Pass fälschlicherweise nie abgeschickt worden ist, sondern nur im Computersystem als versendet markiert worden ist. Immerhin war dann klar, dass es nur noch ein paar Tage dauert, bis der Pass tatsächlich in Salta ankommt. Von wegen deutsche Zuverlässigkeit. Während der ganzen Warterei, hatte ich immerhin die Zeit mich gegen Gelbfieber impfen zu lassen, was Voraussetzung für die Einreise nach Bolivien sein kann. Es war überraschend einfach und sogar umsonst. Nach fast zwei Wochen in Salta, welche keine besonders spannende Stadt ist, hatte ich endlich meinen neuen Reisepass. Die Reise konnte weitergehen.

blog_pasosico (1 von 38)Wildcamping und kochen mit Luis

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Ein weiterer Tag auf Ruta 40…

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da kommt man sich klein vor

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Der Campingplatz in Salta, wo ich zwei Wochen auf meinen Pass wartete. Kein besonders spannender Ort.

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Und zurück in die Anden.

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Zusammen mit Adrien, der netterweise mit mir in Salta gewartet hatte, ging es zurück in die Anden. Durch ein langes Tal, vorbei an unzähligen Kakteen und über einen 4000m Pass rollten wir nach San Antonio de los Cobres. Wir verbrachten einen Tag zur Akklimatisierung in dem kleinen Städtchen, das nur von Staub und Steinen umgeben ist, bevor wir in Richtung Paso de Sico aufbrachen.

Die letzten Kilometer und Stunden in Argentinien waren angebrochen. Unsere Räder waren schwer beladen, da wir uns mit Essen für etwa eine Woche eingedeckt hatten. Schon nach wenigen Kilometer wurde mir klar, dass es keine einfache Fahrt werden wird. Die Schotterpiste war alles andere als in einem guten Zustand, aber vor allem der konstant wehende Gegenwind machte es zu einem mühseligen Vergnügen. Dennoch schafften wir es am ersten Tag über den erst Hochpunkt auf 4500m.

Ein anderes vom Wind verursachtes Problem war, eine vernünftige Stelle zum Zelten zu finden. Windgeschützte Stellen waren Mangelware. Die Nächte auf über 4000m waren eiskalt, unsere Wasserflaschen froren zu einem Eisblock und das Warten am Morgen auf die aufgehende Sonne wurde jedes Mal zu einer Zitterpartie. Im Sonnenschein wärmte es sich zum Glück recht schnell auf. Die Morgenstunden waren die kostbarsten des ganzen Tages. Zunächst windstill setzte pünktlich um 12 Uhr meistens der Gegenwind wieder ein und wurde im Verlauf des Tages zunehmend stärker. Frühes Aufstehen war daher trotz der Kälte Pflicht.

Eine Nacht Luxus konnten wir an der argentinischen Grenze genießen. Die Beamten ließen uns in einem Raum mit richtigen Betten, Küche, warmer Dusche und sogar Internet übernachten. Das Beste war jedoch die Schüssel voller Empenadas, die uns einer der Polizisten zum Abendessen brachte. Keine schlechte letzte Nach in Argentina!

Bevor wir den Grenzposten verlassen konnten, mussten wir am nächsten Morgen noch durch die Grenzkontrolle. Nach neun Grenzüberquerungen zwischen Chile und Argentinien, kannte ich den Prozess mittlerweile, doch diesmal lief es etwas komplizierter ab. Ein chilenischer Beamter wollte unbedingt eine eingravierte Seriennummer auf meinem Rad finden. Ich sagte ihm, dass das Rad keine Nummer hat, doch er suchte weiter und weiter. Nach 10 Minuten kam er zu demselben Entschluss. Jedoch brauchte er eine Nummer für irgendein Dokument. Bei allen vorherigen Grenzübergängen, war das nie ein Problem und ich habe keinmal ein Dokument für mein Rad bekommen. Wie auch immer, letztendlich hat er einfach irgendeine Nummer genommen und ich durfte den Grenzposten mit dem rätselhaften Papierwisch verlassen.

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Von dem 4000m Pass bevor San Antonio

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Und der erste Hochpunkt auf dem Paso de Sico

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Morgens war es verdammt kalt.

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Olacapato

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Olacapato

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Elf Kilometer später war es dann soweit, ich überquerte zum letzten Mal die Grenze von Argentinien nach Chile. Nach fünf Monaten in Argentinien war es an der Zeit sich endgültig von diesem riesigen und beeindruckenden Land zu Verabschieden.

Die Landschaft veränderte sich, es wurde vulkanischer und es sah zunehmend aus wie in einer anderen Welt. Nach einem weiteren Pass, dem Abra Sico, rollten wir runter in eine Ebene. Es war wie als wenn wir gegen eine Wand gefahren wären. Der Wind war plötzlich so stark, radeln wurde unmöglich. In etwa 4km entfernen konnten wir einen kleinen Polizeiposten sehen. Davon überzeugt, dass wir dort ein windgeschütztes Plätzchen zum Schlafen kriegen würden, begannen wir zu schieben. Die folgenden Kilometer waren sicherlich die frustrierendsten meines ganzen Trips. Der Wind wurde zunehmen stärker und kam nun von der Seite. Alle paar Meter musste ich stoppen, doch war das gar nicht so einfach. Jedes Mal musste mich meinen Körper gegen mein Rad stemmen, andernfalls hätte der Wind das Rad umgeweht. Innerhalb von zwei Stunden schafften wir gerade mal drei Kilometer. Der Posten der Carabineros war nur 800m entfernt, aber der Wind ließ machte ein Weiterkommen unmöglich. Die Böen waren nun so stark, dass ich das Rad kaum noch gerade halten konnte, geschweige denn vorwärts schieben konnte. Verzweifelt legte ich das Rad auf den Boden, setzte mich in den Windschatten und überlegte, was ich machen sollte.

In dem Moment hielt ein Auto neben mir, erst das zweite überhaupt an dem Tag. Sie mussten meine Situation erkannt haben und boten mir direkt an, mich die letzten paar hundert Meter zu fahren. Normalerweise hätte ich das Angebot sofort dankbar abgelehnt. Von Beginn meiner Fahrradreise hatte ich immer die Idee jeden möglichen Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren und bisher musste ich auch nie Kilometer mit dem Auto oder Bus überspringen. Doch ich muss mir eingestehen, an diesem Tag war es schlichtweg nicht möglich dort zu radeln. Dankbar packte ich meinen Kram ins Auto. Allerdings war mir klar, dass ich am nächsten Morgen mit weniger Wind den Abschnitt zurück fahren würde.

Wir fragten die Carabineros, ob wir unser Zelt irgendwo im Windschatten des Hauses aufstellen dürfen, was normalerweise kein Problem sein sollte. Doch die Polizisten bestand darauf uns weitere 6 km zu einer Mine zu fahren, wo wir in einem Bett schlafen könnten. Das Klang eigentlich gar nicht so schlecht, doch wollte ich ja eigentlich jeden Kilometer radeln. Ich erklärte Ihnen mein Problem, doch konnte sie nicht davon überzeugen uns doch dort schlafen zu lassen. In der näheren Umgebung gab es zudem keine weitere windgeschützte Stelle zum Zelten und die 6 km bis zur Mine waren bei dem Wind bzw. Sturm definitiv unmöglich für uns zu schaffen. Enttäuscht packte ich nun schon zum zweiten Mal an dem Tag mein Fahrrad ungewollt in einen Kofferraum.

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Good bye Argentina – Hola Chile – zum letzten Mal

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Nach einem solch anstrengenden Tag war die Mine dennoch ein wahrer Segen. Wir bekamen ein Zimmer mit richtigen Betten und durften die Küche benutzen. Am nächsten Tag stand ich früh auf. Ich hatte den Plan zurück zu radeln, um die verlorenen Kilometer doch noch aufzuholen, doch im Gegensatz zu den vorherigen Morgen, war es alles andere als windstill. Für die 14 km hätte ich wohl den halben Tag gebraucht und die Möglichkeit an derselben Stelle wieder in einem  starken Wind gefangen zu werden, war nicht gerade unrealistisch. Außerdem konnten wir nicht noch eine weitere Nacht in der Mine bleiben. Nach langem Grübeln beschloss ich nicht zurückzufahren, was ich später trotzdem bereute, immerhin ist es meine erste Lücke in meinem Trip.

Stattdessen rollten wir weiter bergab und campten eine Nacht hinter einem Felsen mit einem unglaublichen Blick auf eine Salzlagune. Nach zwei weiteren Tagen die es hauptsächlich bergab ging, erreichten wir schließlich San Pedro de Atacama, meinem letzten Halt in Chile, bevor es nach Bolivien geht.

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perfekter Campspot

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Und wieder in den Tropen…

Chile: Kakteen, Wüste und ein langer Weg bergauf

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Ich hatte keinen Plan, wo ich die nächste Nacht verbringen würde, als ich in Los Andes, die erste Stadt nach der Passüberquerung von Argentinien, ankam.

Auf der Suche nach einem offenen Wlan, um meine Emails und eine eventuelle Antwort von einem Warmshowers Host zu checken, fand ich einen Fahrradladen. Ich brauchte einen neuen Helm, nachdem mein Alter auf einem Campingplatz ein paar Wochen zuvor verschwunden ist. Einer der Verkäufer, Jaime, war ziemlich interessiert in meine Reise und da es fast Zeit für Siesta war, lud er mich einfach zum Mittagessen in ein günstiges Restaurant ein. Währenddessen bekam ich eine Zusage von Christian, einem Warmshowers Host in San Felipe, das nur etwa 15km entfernt ist. Allerdings musste er bis 20 Uhr arbeiten. Jaime bot mir an solange in seinem Hause zu warten und vor allem zu duschen – die Erste in zehn Tagen. Herrlich, diese unkomplizierte Gastfreundschaft.

Christian war ein weiterer großartiger Gastgeber und besorgte für meinen Geburtstag sogar einen Kuchen. Mein erstes Geschenk bekam ich allerdings von Mutter Erde. In den ersten Stunden meines neuen Lebensjahres, ich lag schon im Bett, wackelte mein Bett für ein oder zwei Sekunden. Es dauerte einen Moment bis realisierte, was der Grund dafür war. Ein Blick ins Internet bestätigte meine Vermutung, es war ein leichtes Erdbeben. Klar, ich bin schließlich in einer der seismisch aktivsten Gebiete der Erde. Über 1500 Beben verzeichnete eine Internetseite im letzten Jahr in Chile, fast alle sind zum Glück so schwach, dass sie keinen Schaden verursachen. In den nächsten Tagen sollte ich noch einige weitere Erdbeben zu spüren bekommen. Einmal sprach ich gerade mit ein paar Locals, als die Erde wackelte, während ich erstaunt um mich blickte, ignorierten die Locals es fast vollkommen.

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Nach San Felipe hatte ich die Wahl. Entweder schnell und einfach über die Ruta 5, die auch als Panamerican Highway bekannt ist, entlang der Küste nach Norden. Eine zwei spurige Autobahn klang allerdings nicht so spannend und so entschied ich mich für kleine Straßen durch die Berge. Die Landschaft änderte sich mal wieder und es war nun klar, dass ich langsam näher Richtung Äquator komme. Das erste Mal in meinem Leben war ich umgeben von Kakteen, teilweise waren diese bis zu drei Meter hoch. Obwohl ich die Landschaft ziemlich cool fand, war ich nicht wirklich motiviert zu radeln. An einigen Tagen saß ich mehr mit einem Buch neben der Straße, als auf dem Sattel. Aber warum auch nicht? Ich hatte keinen Grund schneller zu sein.

Es war ziemlich bergisch und es ging viel auf und ab, dazu gab es einige Tunnel, die bis zu 1,5 km langen waren. Ohne Licht und nur einspurig hoffte ich jedes Mal nicht auf Gegenverkehr zu treffen, da die Tunnel gerade mal breit genug für ein Auto waren. Zum Glück war der ganze Abschnitt sehr wenig befahren und ich bekam keine Probleme.

Nach ein paar Tagen erreichte ich Coquimbo, für mich die größte Stadt in einer ganzen Weile und es dauerte etwas bis ich mich an den Stadtverkehr gewöhnt hatte. Es bestätigte sich mal wieder für mich, dass es besser ist Großstädte mit dem Fahrrad zu meiden. Nicht nur wegen dem Verkehr. Wie schon die meisten anderen südamerikanischen Städte fand ich Coquimbo alles andere als spannend und schön. Meine Warmshowers  Hosts waren allerdings mal wieder klasse. Ich kam in einer Studenten WG unter, was mich an zu Hause erinnerte und ich hätte dort noch einige Tage länger bleiben können, aber die nächste Herausforderung wartete auf mich.

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Coquimbo

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Unter der Autobahn – Ruta 5

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Eine Seite der Autobahn hatte ich nur für mich

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Irgendwie musste ich zurück nach Argentinien. Auch wenn die Grenze nie weit weg ist, die Anden machen ein solches Vorhaben etwas schwieriger. Ich wählte den Paso de San Francisco. Dazu musste ich jedoch noch 350km weiter in den Norden nach Copiapo. Mangels Alternativen blieb mir diesmal nichts anderes übrig als vier Tage über die Ruta 5 zu radeln. Wie auf deutschen Autobahnen  sind Fahrradfahrer dort eigentlich nicht erlaubt, was große Schilder an den Auffahrten anzeigen. Jedoch hatten mir einige Locals vorher bestätigt, dass es niemanden stören würde. Also ignorierte ich die Schilder gekonnt und es störte tatsächlich niemanden. Eigentlich war es, dank eines durchgehenden breiten Seitenstreifens, sogar eine der sichersten Straßen zum Radeln. Auf einem Abschnitt von 30 oder 40 Kilometer wurde der Verkehr wegen Straßenarbeiten auf die andere Seite umgeleitet. Die Bauarbeiten waren allerdings schon so gut wie fertig und ich nutzte einfach die gesperrte Seite, was das Radeln nochmals vereinfachte. Die Vegetation verschwand nun fast komplett und es war offensichtlich, dass ich die südliche Atacama erreicht hatte.

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Copiapo

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Copiapo war die letzte Stadt und die letzte Gelegenheit zum Einkaufen, bevor es für mich über die Anden zurück nach Argentinien ging. Der nächste Ort war 450km weit weg, ich musste also ordentlich Essen einpacken. Mit einem Vorrat für über eine Woche startete ichaufgeregt in Richtung Berge. Ich fragte mich vor allem wie ich auf die Höhe reagieren würde. Zunächst führte es nur sehr langsam bergauf und mit einem recht starken Rückenwind, war es alles anderes als anstrengend. Am zweiten Tag schaffte ich es bis auf 3300 Höhenmeter. Dort ging mir mein Wasser aus, doch ich hatte schon vorher von einer Mine gehört, wo ich meine Flaschen wieder auffüllen könnte. Erleichtert war ich, als ich Gebäude sah, doch dort angekommen, stellte sich heraus, dass die Häuser verlassen waren. Verdammt, dachte ich. War die Information aus dem Internet schon so alt? Mir blieb nichts anderes übrig als weiterzuradeln. Zwei Kilometer später kam ich zu einem weiteren Gebäudekomplex und diesmal war dieser zum Glück bewohnt. Meine Flaschen wurde mir natürlich aufgefüllt und außerdem bekam ich den Ratschlag im Windschatten eines der Gebäude zu zelten. Es war schon ganz schön windig und sollte es wohl angeblich schneien. Ich wollte sowieso eine Pause machen und überlegte, ob ich noch weiter radeln sollte oder nicht. Nach zwanzig Minuten kam einer der Sicherheitsleute zu mir und meinte er hätte mit seinem Chef gesprochen und ich könnte in einem der Gebäude schlafen.

Kurze Zeit später rollte ich mein Rad in ein leeres Zimmer für die Minenarbeiter. Es war wie in einem Hotel. Ich hatte eine warme Dusche und ich konnte sogar in der Kantine essen. So einen Luxus hatte ich auf dem Pass eigentlich nicht erwartet, aber die Einladung wollte ich auch nicht ablehnen und es war auch mal ganz interessant zu sehen wie die Minenarbeiter so leben.

Ich nutzte die Möglichkeit zu einem reichlichen Frühstück, denn der nächste Abschnitt sollte der Anstrengendste des ganzen Passes sein. Von 3300 ging es relativ schnell auf 4300 hoch. Während des letzten Abschnittes wurde es steiler und ich begann schließlich die Höhe zu merken. Mein Atem wurde schneller, mein Puls hämmerte und ich bekam Kopfschmerzen. Mein Körper war definitiv noch nicht ausreichend akklimatisiert. Ich war froh als ich den Hochpunkt erreichte und schnell wieder auf 3800 zum Salar de Maricunga runterfahren konnte. An der Chilenischen Grenzkontrolle stoppte ich für den Tag, obwohl es noch recht früh war, aber ich wollte meinem Körper noch ein wenig Zeit geben, sich an die Höhe zu gewöhnen.

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Die Kopfschmerzen waren am nächsten Morgen verschwunden, genauso wie die Wolken und der Wind vom Vortag. Die Landschaft war unbeschreiblich und schien aus einer anderen Welt zu sein. Mit Hochgefühlen fuhr ich vorbei an einigen 6000ern auf 4300 hoch. Mittlerweile hatte der starke Wind wieder eingesetzt und als ich eine kleine 4qm Hütte für Baumaterialen für die Straßenarbeiten fand, beschloss ich die Nacht dort zu bleiben. In dem starken Wind und ohne natürliche Windschutzmöglichkeiten, wäre es ziemlich kompliziert geworden, mein Zelt aufzubauen. Aus zwei Brettern in der perfekten Größe und zwei Betonklötzen baute ich mir ein Bett, worum ich wirklich froh war. Sobald es dunkel geworden war, raschelte es überall in der Hütte und mehrere Mäuse rannten um meinen Schlafplatz umher.

Ich wachte früh auf und es war verdammt kalt. So kalt, dass das Wasser in meinen Flaschen gefroren war. Nach einem warmen Frühstück dauerte es immer noch Ewigkeiten bis die Sonne rauskam und es endlich warm wurde. Es ging weiter in der unglaublichen Landschaft. Ich passierte den Cerro Ojos de Salados, der höchste aktive Vulkan der Welt und der zweit höchste Berg in Südamerika. Nach einem Anstieg auf 4600 fuhr ich wieder etwas bergab zur Laguna Verde. Ich konnte es kaum glauben, dass das Wasser eine solche grüne Farbe hatte. So ein krasser Kontrast zu den rot braunen Farben der Berge. In einem Refugio traf ich auf Eduardo, ein chilenischer Bergführer und Andre aus Deutschland. Die beiden wollten ein paar Tage später auf den Ojos de Salado klettern. Zu meinem Glück hatte sie mehr als genug essen dabei und luden mich zu Abendessen und Frühstück ein. Ich genoss vor allem die Gesellschaft, nach den einsamen Tagen zuvor.

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Cerro Tres Cruces – alle drei Gipfel sind über 6000m

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mein Wasservorrat

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Ojos de Salados 6893m – höchste aktiver Vulkan der Welt und zweit höchster Berg Südamerikas

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Laguna Verde

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Das Refugio an der Laguna Verde

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Heiße Quellen

blogchile (51 von 62)Guide Eduardo, Andre und zwei chilenische Bergesteiger

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Endlich oben

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Nach zwei Nächten über 4000m war ich mehr als ausreichend akklimatisiert und während ich die letzten Kilometer zum Hochpunkt des Passes radelte, hatte ich keinerlei Probleme mit der Höhe, abgesehen davon, dass es natürlich anstrengender ist als auf Normalhöhe. Nur der extreme Seitenwind war nervig. Als ich nach sechs Tagen endlich mein Ziel auf 4730m erreichte war ich mehr als froh und vor allem erleichtert, dass es alles ohne wirkliche Probleme geklappt hat. Mit dem Wissen, dass es nun für über 150km bergab ging, genoss ich die Pause und das Panorama.

Es folgte wohl der längste bergab Abschnitt meiner Reise. Ich schlief noch eine Nacht in einem Refugio, bevor ich endlich wieder die Zivilisation erreichte. Vor allem auf was anderes zu essen freute ich mich tierisch, doch als ich in Fiambala ankam, war Sonntag und alle Geschäfte hatten zu. Verdammt, so musste ich mich wohl oder übel noch einen Tag gedulden. Von Fiambala beginnt der letzte Abschnitt in Argentinien für mich, bevor es hoch auf das Altiplano geht. Ich bin gespannt.

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Eines der vielen Refugios auf argentinischer Seite des Passes…

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…und innen drin

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Ruta 40 und über die Anden

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Mit aufgefüllte Essens und Wasservorrat verließ ich Las Lajas  in die Weite von Ruta 40. Viele nach Süden fahrende Radler, die ich getroffen hatte, haben diesen Teil Argentiniens mit dem Bus übersprungen. Angeblich wäre es viel zu langweilig zum Radeln. Das kam für mich nicht in Frage. Einerseits will ich jeden möglichen Kilometer radeln und außerdem glaubte ich nicht, dass es tatsächlich so schlimm sei. Schließlich hatte ich in Australien auch über 3000km eintöniges Outback durchquert, ohne dass mir allzu langweilig wurde.

Die Ruta 40, beziehungsweise Ruta Quarenta in Spanisch, ist Argentiniens längste Straße und sogar eine der längsten Straßen der Welt. Vom südlichen Patagonien reicht sie bis an die Grenze von Bolivien.

Sobald ich die Stadt verlassen hatte war ich umgeben von nichts. Es war so trocken wie es nur geht, staubig, felsig und wenig Vegetation. Für manche Leute mag es langweilig oder eintönig sein, doch mich faszinieren solche Landschaften immer wieder. Vor allem die scheinbar endlose Weite, wenn man die Straße für Kilometer sehen kann, bis sie schließlich am Horizont verschwindet.

Ein Rückenwind verlieh mir zusätzlich Hochgefühle, doch leider nicht all zu lange. Nach etwa 50km drehte der Wind und ein Gegenwind zwang mich zu 10km/h im Durchschnitt. In dem Moment bemerkte ich zudem, dass ich mich meinem Wasservorrat verschätzt hatte. Ich war es nicht mehr gewöhnt in einer solch trockenen Gegend zu sein, so war Wasser in den vorherigen Monaten nie ein Problem und alle paar Kilometer gab es eine Möglichkeit Wasser aufzufüllen. Meine Karte zeigte einige Flüsse, doch waren diese natürlich alle ausgetrocknet. Zum Glück gab es noch ein wenig Verkehr. Bevor ich jedoch selbst ein Auto stoppen musste, hielt eine Familie neben mir von selbst. Vater und Sohn stiegen aus, um mich über meinen Trip auszufragen, während sie einen Liter Bier teilten. Der Vater fuhr übrigens anschließend weiter, was mein Vertrauen in argentinische Autofahrer nicht gerade verbesserte. Ohne zu fragen, boten sie mir an meine Flaschen mit kaltem Wasser aufzufüllen und gaben mir sogar noch Brot mit auf dem Weg. Sehr schön wie sich Probleme, dank netter Menschen, häufig von selbst lösen. Der Wind nahm allerdings eher zu als ab und ich suchte mir bald einen Platz zum campen, was in dieser endlosen Gegend mehr als einfach ist.

 

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Lange Strecken zwischen den Orten auf der Ruta 40.

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Mittagpause – es ist allerdings nicht immer einfach ein schattiges Plätzchen zu finde.

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Der nächste Ort war Chos Malal, was auf der Hälfte der 5000km langen Ruta 40 liegt. Außerdem musste ich meine zweiseitige Argentinien Karte endlich umdrehen, was hieß, dass ich die Hälfte des neunt größten Land der Erde durchquert hatte. Nochmal die gleiche Distanz und ich bin schon in Bolivien.

Ich verließ die Ruta 40 für zwei Tage, um über eine Schotterpiste an dem Vulkan El Tromen vorbeizuradeln. Nach wenigen Kilometern stoppte mich die Polizei und versucht mich zum Umdrehen zu bewegen. Angeblich wäre es nicht möglich die Schotterpiste mit dem Fahrrad zu befahren, sondern nur mit Geländewagen. Das glaubte ich natürlich nicht, im Schlimmsten Fall müsste ich halt ein bisschen schieben. Nachdem ich den beiden erklärte, dass ich genügend Essen und Wasser dabei, sodass ich später ohne Probleme zu kriegen umkehren könnte, ließen sich mich weiterziehen. Allerdings fragte ich mich schon, was mich noch erwartet. Letztendlich war die Straße alles andere als schlecht und ich musste keinen Meter schieben. Es war ein stetiger aber nicht steiler Anstieg auf 2200m, wo es vorbei an einer Lagune und dem Vulkan ging. Nur ein paar Gauchos, die sich um ihre Schafe und Ziegen kümmerten, ritten an mir vorbei. An einer kleinen Hütte fragte ich nach Wasser. Der Bewohner war offensichtlich so glücklich darüber unerwartete Gesellschaft zu haben, dass ich direkt in den kleinen und einzigen Raum der Hütte eingeladen wurde. Es gab nur ein Fenster, dafür mit einem großartigen Blick auf den Vulkan. Leider hinderte mich mein immer noch schlechtes Spanisch daran eine längere Unterhaltung zu führen, obwohl ich ihm gerne noch mehr Fragen gestellt hätte.

 

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Chos Malal – die Mitte der Ruta 40

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El Tromen

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Er half mir mit Wasser und frischen Trauben aus.

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Eine Tarantula. Das Vieh saß mitten auf der Straße. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie mehr oder weniger ungefährlich sind.

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Camplife

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Vor Mendoza hatte ich die Wahl. Entweder einen Umweg über San Raphael über eine komplett asphaltierte Straße fahren oder den kürzeren direkten Weg über eine 150km Schotterpiste nehmen. Ich entschied für letzteres. Mit einigen Litern Wasser ging es los, da ich nicht wirklich wusste, wie es mit Wasser auf dem Abschnitt aussah. Ich wusste nur von einem Fluss, der zuverlässig Wasser führt. Es fing schon ziemlich anstrengend an. Die Straße war sehr sandig und ich musste ständig absteigen und schieben. Demotiviert schaffte ich am ersten Tag gerade mal etwas mehr als 30km. Mehrmals dachte ich darüber nach umzudrehen, doch ich blieb stur. Am zweiten Tage wurde die Straße auch zunächst besser, um dann richtig beschissen zu werden. Starker Regen hatte regelrecht einen Canyon in die Straße erodiert. Mit meinem Rad konnte ich noch hindurch, während für die meisten Autos wohl hier Schluss gewesen wäre. Ein wenig später konnte ich schon den Fluss sehen, der in einem recht tiefen Canyon lag. Doch auf dem Weg dort runter verschwand die Straße plötzlich komplett. Vor mir tat sich ein einige Meter langes und breites Loch auf, wo die Straße einfach weggesackt war. Vermutlich auch durch Regen.  Ich wollte noch nicht so recht glauben, dass hier Schluss ist für mich, doch es war unmöglich mein Rad an dem Loch vorbeizuschieben. In einem letzten Versuch der Hoffnung, lief ich ein oder zwei Kilometer am Rand des Canyons entlang. Doch die Straße war gleich an mehreren Punkten, entweder abgerutscht oder von Hangrutschungen blockiert. Meine letzte Idee mein Rad und das Gepäck separat den sehr sehr steil Hang runterzutragen, hätte dadurch Ewigkeiten gedauert und wäre auch nicht gerade ungefährlich gewesen. Außerdem hatte ich keine Ahnung wie es auf der anderen Seite aussah. Enttäuscht und demotiviert startete ich zurück.

Ich passierte eine kleine Kreuzung, von wo aus ich auf eine Parallelstraße gekommen wäre, auch eine Schotterpiste, doch ich hatte keine Ahnung, wie dort die Wassersituation aussah und ich hatte sowieso kaum noch Wasser. Außerdem hatte ich genug von Schotter bzw. Sand. Immerhin ging es nun mehr bergab und ich kam am gleichen Tag zurück zur asphaltierten Straße. Die 240km Umweg schaffte ich dank eines starken Rückenwind immerhin locker in zwei Tagen, wodurch ich interessanterweise keine Zeit verloren hatte.

 

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Sturm im Anflug

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Das Ende für die meisten Autos…

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…und letztendlich auch für mich.

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Ölfelder

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Das scheint ein Tradition hier zu sein. Plastikflaschen gefüllt mit Wasser stapeln sich an Gedenkstätten neben der Straße.

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Ich hatte keine Lust auf die Großstadt Mendoza, weswegen ich schon vor der Stadt nach Westen abbog. Mein erster höherer Andenpass lag vor mir, der El Paso de los Libertadores. Das erste Stück bis zu dem kleinen Ort Upsallata war ziemlich gefährlich. Der Pass ist die wichtigste Verbindung zwischen Argentinien und Chile, so liegt auf der einen Seite Chiles Hauptstadt Santiago und auf der anderen Seite Mendoza. Dementsprechend viel Verkehr herrscht auf der Straße. Vor allem einige kurze aber enge Tunnel machen es für Fahrradfahrer kompliziert. Ich wartete jedes Mal auf eine Lücke im Verkehr und fuhr dann schnell möglich hindurch. Nach Upsallata wurde es zum Glück besser. Es war langsamer Anstieg und überhaupt nicht steil bis zum Basiscamp des Aconcagua auf 2900m. Der Berg ist mit 6962m der höchste Gipfel in Südamerika und der Höchste außerhalb Asiens. Am nächsten Morgen verschwanden alle Wolken und ich hatte einen perfekt Blick auf den Gipfel während die Sonne um mich herum aufging.

Danach fing die eigentliche Arbeit an. Auf einer Höhe von 3100 führt sämtlicher Verkehr durch einen langen Tunnel auf die chilenische Seite. Dieser war natürlich nicht befahrbar für Fahrradfahrer.Klar, ich hätte trampen können, doch die alte Passstraße versprach eine schönere Aussicht als ein dunkler Tunnel. Allerdings ging es über etliche Serpentinen und 10km Schotter steil auf 3800 hinauf und auf den letzten Höhenmeter machte sich auch erstmals die Höhe leicht bemerkbar. Gegen Mittag erreichte ich schließlich die vier Tonnen schwere bronzene Christusstatue am Hochpunkt des Passes. Zufällig war es das 122jährige Jubiläum der Statue, so fanden sich dort  etliche Argentinier und Chilenen für eine Feier ein. Ich war erst überrascht von den vielen Menschen, so hatte ich eigentlich damit gerechnet, der einzige dort oben zu sein.

Auf der anderen Seite ging es um einiges steiler und über noch mehr Serpentinen wieder bergab. An der Grenzkontrolle musste ich schließlich alle meine Sachen auspacken, da man keine frischen Lebensmittel mit nach Chile nehmen darf. Sogar Hunde schnüffelten sämtliches Gepäck ab. Letztendlich fanden sich nichts und ich durfte weiter runter nach Los Andes rollen.

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El puente de Inca. Heiße Quellen formten diese Felsen.

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Sonnenaufgang am Aconcagua

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Eis. Es war eine kalte Nacht auf fast 3000m Höhe.

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Zahllose Serpentinen

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Am höchsten Punkt vom El Paso de los Libertadores

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Bergab machte es schon richtig Spaß über diese Serpentinen

Von Bariloche nach Norden

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Der Nahuel Huapi See bei Bariloche

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In Bariloche war es wieder an der Zeit für eine längere Pause. Die holprigen Schotterpisten der Carrertera Austral hatten ihre Spuren hinterlassen. Zum Glück wussten wir von einer Casa de Ciclistas in Bariloche. Estebans Haus zu finden war allerdings gar nicht so einfach, die richtige Straße fanden wir schnell, doch Hausnummer haben in Argentinien scheinbar überhaupt kein System. Letztendlich fanden es jedoch und wurden direkt herzlich von Esteban in seinem Garten begrüßt.

Wir hatten keinen Plan, wann es weitergehen sollte und keiner von uns beiden schien sonderlich motiviert zu sein, schnell weiterzureisen. Die Tage vergingen und wir machten eigentlich nicht viel, obwohl man um Bariloche einiges unternehmen hätte können. Doch nachdem wir einen Monat fast jeden Tag weitergezogen sind und ständig von einer großartigen Landschaft umgeben waren, war das Verlangen größer, nur faul im Garten rumzuliegen, zu essen und den Luxus eines Hauses zu genießen.

Wir waren zudem nicht die einzigen Gäste. Neben Estebans Cousin, der samt Familie zu Besuch war, waren noch andere Radler und Freunde dort. Jeden Abend waren Wohnzimmer und Küche rappelvoll. Wie es in Argentinen üblich ist wurde immer ziemlich spät zu Abend gegessen. Nicht vor 10 Uhr und an manchen Tagen war es fast schon Mitternacht.

Im deutschen Konsulat beantragte ich außerdem noch einen neuen Reisepass, da meiner bald abläuft. Es war recht amüsant mal wieder in einem deutschen Büro zu sein. Das Ganze war einiges einfacher als gedacht, allerdings musste ich etwa das Doppelte als in Deutschland bezahlen. Aber ohne Pass reist es sich nicht so leicht.

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Einer von viel Seen an der Ruta de los Siete Lagos

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Was ein Ort um 20.000km voll zu machen.

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Nach einer knappen Woche schafften wir es schließlich doch den Komfort hinter uns zu lassen. Über die Ruta de los Siete Lagos, was Straße der sieben Seen bedeutet, ging es Richtung San Martin de los Andes. Der Name klang schon ziemlich vielversprechend. Zunächst mussten wir aber einen halben Tag über eine vielbefahrene Straße radeln und leider kann ich nicht viel Gutes über einige argentinische Autofahrer berichten. Ein Bus überholte mich so knapp und hupte – aus mir unerklärlichen Gründen – auch noch genau neben mir. Durch den Schreck wechselte ich automatisch vom Asphalt auf den losen Schotter neben der Straße, der mich jedoch zum Fallen brachte. Zum Glück ist nichts passiert. Yasko, der nur wenige Meter hinter mir war, sagte es hätte tatsächlich so ausgesehen, als wenn der Busfahrer mich von der Straße schieben wollte.

Am nächsten Tag war der Verkehr weitaus ruhiger und es ging bei bestem Wetter weiter vorbei an etlichen Seen und Flüssen. Irgendwo auf diesem Abschnitt machte ich den 20,000. Kilometer auf meinem Rad. Auch wenn es nur eine Nummer ist und das Ziel meiner Reise alles andere als möglichst viele Kilometer sind, war es ein besonderer Moment. Ich hätte niemals gedacht soweit zu radeln, ehrlich hatte ich niemals geplant überhaupt mit dem Rad zu reisen oder nach Südamerika fahren, als ich vor bald zweieinhalb Jahren gestartet bin. Ich bin gespannt wo mich die nächsten 20,000 km hinführen.

Während den letzten 20km nach San Martin de los Andes merkte ich, dass irgendwas mit der Hinterradnabe und dem Freilauf nicht stimmte. Irgendwie schaffte ich es noch zum nächsten Fahrradladen in der Stadt, wo die Nabe schließlich komplett den Geist aufgab. So ein Glück, dass das nicht mitten im nirgendwo passiert ist. Der Fahrradladen konnte mir eine neue Nabe ins Hinterrad bauen, allerding dauerte es den ganzen Tag. Während Yasko und ich also in einem Park warteten trafen wir auf Roxanne und Pablo. Die beiden sind ebenfalls Fahrradreisende und sind erst vor kurzem losgefahren, nachdem sie ihr Jobs aufgegeben hatten. Nach ein paar Minuten quatschen, luden sie uns direkt in ihre Wohnung ein. Eigentlich war es die Wohnung von ihren Freunden, aber diese waren selbst für ein paar Tage unterwegs, weshalb Pablo und Roxanne dort für die Zeit wohnen konnten. Es folgte ein großartiger Abend, mit gutem Essen und interessanten Gesprächen, vor allem über Kuba, wo die beiden fünf Jahre studiert hatten. Ich liebe diese Unberechenbarkeit meiner Reise. Am Morgen hätte ich niemals mit so einem Tagesverlauf gerechnet und am Ende war ich sogar irgendwo froh, dass die Nabe kaputt gegangen ist, sonst hätten wir niemals Pablo und Roxanne getroffen.

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Yakso, Ich und unsere großartinge Gastgeber Roxanne und Pablo

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Die Kreuzung von wir getrennte Wege gingen

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Siesta am Rio Alumine

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Der nächste Tag war der letzte gemeinsame mit Yasko. Ich hatte nie ein Problem damit alleine zu reisen, ehrlich gesagt hat es sogar viele Vorteile. Doch wenn man sich einmal an einen Reisepartner gewöhnt hat, ist es jedes Mal ein wenig merkwürdig, wieder alleine zu weiter zu radeln. Vor allem weil Yasko und ich ein klasse Team waren, wir hatten eine ähnliche Geschwindigkeit und meist gleiche Vorstellung von Schlafplätzen, was häufig nicht der Fall ist, wenn man andere Radler trifft. Nachmittags trennten sich jedoch unsere Weg. Er fuhr Richtung Osten nach Buenos Aires und für mich ging es weiter nordwärts.

Von hier hatte ich keinen konkreten Plan, wie ich weiterfahren sollte. Entweder wieder nach Chile fahren oder in Argentinien bleiben. Ich wusste nicht was der schönere Weg sein sollte und hatte mich auch nicht allzu viel über die Gegend informiert. Letztendlich entschied ich mich spontan dazu erstmal in Argentinien zu bleiben und den Rio Alumine zu folgen. Für zwei Tage fuhr ich durch ein recht einsames Tal. Kaum Autos, kaum Häuser und die einzigen Menschen auf die ich traf waren Gauchos auf ihren Pferden. Auch die Landschaft hatte sich verändert. Es war sehr viel trockener, staubiger und felsiger. Der Fluss allerdings war wie eine Oase. Ich genoss die Einsamkeit, obwohl es sich noch ein wenig merkwürdig anfühlte wieder alleine unterwegs zu sein. Es war definitiv ein neuer Abschnitt meiner Südamerika reise.

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Araucaria Bäume

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Eindrucksvoller Sonnenuntergang am Lago Alumine

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Ein lange Weg bergauf über den Paso Pino Hachado

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Vom Lago Alumine kehrte ich nach Chile zurück, allerdings nur für einen Tag. Über den Paso de Ilcama ging es nach Chile und 50 km später über den Paso Pino Hachado zurück nach Argentinien. Letzterer war der erste längere Anstieg den ich in Südamerika zu bewältigen hatte. Über etliche Serpentinen ging es 900 Höhenmeter auf 18000m hoch. Einer erster, wenn auch im Vergleich leichter, Vorgeschmack auf was mich weiter im Norden in den Bergen erwarten wird. Ich schaffte es bis kurz vor der Dunkelheit zum Argentinischen Grenzposten, wo ich zeltete. Am nächsten Morgen genoss ich den 50km bergab bis nach Las Lajas, von wo ich mal wieder auf der Ruta 40 weiter radeln werde.

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Einer erster Eindruck, was mich auf der Ruta 40 erwarten wird.

Carretera Austral

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Die Casa de Ciclistas in El Chalten war genau das was ich brauchte. Wie der Name „Haus für Fahrradfaher“ andeutet, lässt „Besitzerin“ Florencia Fahrradreisende für umsonst in ihrem Garten zelten und das Haus mit benutzen. Und da so gut wie jeder, der in Patagonien reist in El Chalten stoppt, war Haus ständig voller Radler. Die Küche war das Zentrum des Hauses. Es wurde zusammen gekocht und gegessen, Reiseerlebnisse erzählt und Informationen ausgetauscht und so weiter. Für mich war es zudem eine super Gelegenheit mehr Spanisch zu lernen. Es fühlte sich ein wenig an wie zu Hause und für mich war es demnach alles andere als schwer dort für über eine Woche hängen zu bleiben. Es tat gut für mehrere Tage die gleichen Leute um sich zu haben. Vor allem Florencia machte den Ort einzigartig. Trotz der vielen Leute in ihrem Haus versuchte sie sich um jeden zu kümmern. So wurde ich mit einer riesen Portion Reis und Ei begrüßt. Vermutlich konnte man mir meine Erschöpfung ansehen.

Ich hätte vermutlich eine ganze Woche faul im Zelt liegen können, doch Berge wie Fitz Roy und Cerro Torre wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zusammen mit Javier, der mit Rad Richtung Süden unterwegs war und während der Zeit in El Chalten als mein Spanisch fungierte, ging es schließlich für einige Tage in den National Park.

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Javier, Trekkingparner und mein Spanisch Lehrer

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Die Casa de Ciclistas in El Chalten

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Von El Chalten gibt es keine direkte Straße nach Chile, doch mit zwei Fähren kann man Villa O’Higgins in Chile erreichen. Allerdings gibt es zwischen den beiden Fähren nur einen Wanderweg. Für Fahrradfahrer heißt es also schieben, schieben, schieben. Nachdem ich in El Chalten all die Geschichten über die abenteuerliche Grenzüberquerung von anderen Radlern gehört hatte, war ich ziemlich gespannt darauf.

Zusammen mit Yasko und Marco startete ich Richtung Lago del Desierto. Auf der Fähre stoß noch David dazu und nachdem wir uns auf der anderen Seite des Sees am argentinischen Grenzposten unsere Ausreisestempel abgeholt hatten, ging es los. Es war schon relativ spät, doch wir wollten die ersten 7 km bis zum höchsten Punkt und eigentlich Grenzen noch schaffen, um den anstrengendsten Teil hinter uns zu haben, denn danach sollte es eine Schotterstraße bis zur zweiten Fähre geben. Der Weg war tatsächlich alles andere als geeignet für unsere Fahrräder und glich eher einem tiefen engen Graben als einem Weg. Mein Rad passte nicht immer hindurch und mir blieb nichts anderes übrig als meine Taschen separat hochzutragen. Einige Stellen waren allerdings sowieso so steil, dass ich mein Rad vollbepackt niemals alleine hätte hochschieben können. Zum Glück konnten wir uns gegenseitig helfen. Für die 7 km, die wir ausschließlich schoben, brauchten wir mindestens drei Stunden. Wenn es nicht zu steil war, war es zu matschig oder Weg war voller Steinblöcke oder Wurzeln. Als wir endlich das Grenzschild sahen waren wir mehr als erleichtert, den Moment werde ich nicht vergessen.  Von dort aus waren es nur noch 15 km über eine Schotterpiste zur nächsten Fähre. Wir campten an der Grenze und fuhren am nächsten Tag weiter. Bis zur Fähre mussten wir noch einige Flüsse überqueren. Wieder hieß es: Gepäck abmachen und einzeln rüber tragen.  Am Fähranleger angekommen, sprang ich erstmal ins eiskalte und unglaublich blaue Gletscherwasser.

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Yasko, Marco, David und ich

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Nach dem steilen Anstieg wurde es matschig

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Endlich oben an der Grenze angekommen

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mal eine etwas andere Flussquerung

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Villa O’Higgins ist der südlichste Ort auf der Carretera Austral. Die Straße wurde erst in den 80er Jahren von der chilenischen Armee gebaut, um diese dünn besiedelte Region Chiles besser zu verbinden. Das südlichste Stück ist sogar erst im Jahr 2000 fertiggestellt worden.

Zusammen mit Yasko startete ich Richtung Norden. Uns wurde schnell klar, dass wir weitaus langsamer sein werden als gedacht. Der Großteil der Carretera ist nur eine Schotterpiste, mal in einem besseren und mal in einem schlechteren Zustand. Dazu geht es auf und ab und auf und ab, mit teils grenzwertigen Steigungen. Dafür war die Landschaft umso großartiger und ließ all die Anstrengung vergessen. Berge, Täler, Gletscher, Flüsse, Seen, Wasserfälle und kaum Verkehr. Was will man mehr?

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Yasko kletterte in eine Seilbahn neben einer Brücke

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An unserem ersten Tag begegneten wir zufällig einem Angler an einem See, während wir mit ihm quatschten biss sogar ein Fisch an, den er uns ohne zu zögern schenkte. Das Abendessen war gesichert. Am gleichen Tag erreichten wir abends eine kleine Holzhütte. Vermutlich ursprünglich von Straßenarbeitern errichtet, wird diese nun scheinbar hauptsächlich von Fahrradreisenden als Unterkunft genutzt. Vorherige Radler hatten Gewürze und andere Dinge hinterlassen und die Holzwände waren voller Unterschriften. Ein perfekter Start auf der Carretera.

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Unser zu Hause für eine Nacht

blog (26 von 72)und nochmal von außen.

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Abendessen

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In den nächsten Tagen ging es weiter durch die beeindruckende Landschaft. Abends fanden wir meist einen Ort zum campen an Flüssen, machten Feuer und genossen die Landschaft.

Auch wenn ich vorher noch nicht wirklich viel von der Carretera Austral gehört hatte, scheint alles andere als ein Geheimtipp zu sein. Nirgendwo anders habe ich mehr Radler getroffen als hier. Einen Tag zählten wir über 20. Alle kamen uns entgegen, da dies scheinbar die einfachere Richtung zu fahren ist. Zum Vergleich, in Indonesien hatte ich in zwei Monaten keinen einzigen Fahrradreisenden getroffen und auch in den anderen Ländern war es immer was Besonderes auf Gleichgesinnte zu stoßen. Ich betrachtete als selbstverständlich jedes Mal anzuhalten und zu quatschen. Bei 20 pro Tag hörten wir jedoch irgendwann auf für jeden anzuhalten.

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Die Staubwolken nach jedem Auto waren ätzend.

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Hoch und runter ging es fast ununterbrochen

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Die zahlreichen Gletscherseen und -flüsse hatte meiste eine unglaublich krasse Farbe.

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Die chilenische Regierung steckt scheinbar immer noch viel Geld in die Verbesserung der Straße, so sind auf einigen Abschnitten lange Baustellen. Überall stehen Schilder der Regierung, die die Infrastrukturprogramme bewerben. Für uns bedeuten diese Abschnitte viel Warterei. Teilweise wird ein Abschnitt sogar für Sprengungen den halben Tag komplett gesperrt.

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Warten vor einer Baustelle

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Dynamit

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Diese stacheligen Pflanzen waren extrem nervig

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Wasser muss man auf der Carretera nur selten lange suchen

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Endlich Asphalt.

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An Flüssen ließen sich immer gute Campspots finden

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Richtung Norden wird die Gegend ein wenig mehr besiedelter. Bauernhöfe und dementsprechend viele Zäune machten das Zelten ein wenig schwieriger, doch wenn man freundlich fragt, findet man immer ein Plätzchen. Ein Farmer ließ uns sogar direkt neben seinem Haus zelten. Eine Nacht werde ich nicht vergessen. Um vier Uhr morgens weckte mich Yasko, der ohne Zelt einfach draußen geschlafen hatte, auf, und fragte verzweifelt nach meiner Taschenlampe. Der Farmer’s Hund hat alle seine Sachen über den ganzen Hof verteilt. Als er nach einer Viertelstunde das Meiste wieder zusammengesammelt hatte, fehlten sechs Eier und drei Packungen Kekse, die der Hund wohl verspeist hatte. Irgendwie hat er es sogar geschafft, den Reißverschluss von Yaskos Lenkerstasche zu öffnen. Seinen Rucksack hat er leider einfach aufgebissen. Zum Glück hatte ich mein Essen in meinem Zelt, aber von meiner faltbaren Schüssel sind nur Stücke übrig geblieben.

Über Futaleufu verließen wir die Carretera Austral und Chile, um nach Bariloche zu radeln. Vorher entschieden wir aber gegen die schnellere asphaltierte Straße und machten dafür einen Abstecher in den Los Alerces National Park. Es regnete die ganze Nacht bis mittags, doch dann wir zu faul um weiter zu fahren, so blieben wir den ganzen Tag an einem wunderschönen See.

Bariloche ist ein weiterer Meilenstein. Bis hier war meine Route mehr oder weniger klar, da es nicht allzu viele Alternativen gibt. Von hier aus habe ich noch nicht viel geplant, ich bin gespannt wo es lang geht.

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Am Morgen…

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…und am Abend.

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Wieder auf Ruta 40

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Durch die Pampa

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Mit Puntas Arenas hatte ich die südlichste Stadt auf amerikanischem Festland erreicht. Nach den anstrengenden Tagen im Wind und auf Schotter war ich froh einen Couchsurfing Host gefunden zu haben. Das Bett tat richtig gut. Mein Plan war eigentlich am nächsten Tag schon weiter zu radeln, das ich nur für eine Nacht beim meinem Host bleiben konnte, doch der Wetterbericht sagte nichts Gutes voraus. Wind bis zu 100 km/h. An den Tagen zu vor hatte ich meine Probleme bei  50 km/h und ich glaubte nicht bei dem doppelten überhaupt vom Fleck kommen zu können. So blieb mir nichts anderes übrig, als in ein Hostel mit Campingplatz umzuziehen.

Ich war seit Ewigkeiten in keinem Hostel gewesen, da ich normalerweise immer andere Übernachtungsmöglichkeiten für umsonst finde. Allerdings genoss ich es diesmal unter anderen Reisenden zu sein und Stories auszutauschen. Zudem war es Weihnachten, mittlerweile das dritte in Folge, dass ich nicht zu Hause mit meiner Familie verbrachte. Der Chef des Hostels bereitete Asado, das spanische Wort für grillen, vor. Nach dem Weihnachten in Indien vor zwei Jahren und letzten Jahr im Outback Australiens, war es bisher das geselligste Weihnachten auf meiner Reise.

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Am nächsten Tag wehte für patagonische Verhältnisse kaum ein Wind, was dort nicht allzu häufig vorkommt. Diese Chance musste ich natürlich nutzen und brach in Richtung Puerto Natales auf.  Wenige Kilometer nach dem Ortsausgang hatte mich die Grassteppe der Pampa wieder. Viele Radfahrer finden es alles andere als spannend in ein einer solchen Einöde zu radeln, ich bin doch immer wieder fasziniert von der endlosen Weite. Als einzelner Mensch in dieser einsamen weiten Gegend ist einfach großartig und gibt mir das Gefühl von Freiheit. Leider wurde das Freiheitsgefühl  von den Zäunen rechts und links ein wenig eingeschränkt. Oft hatte man gerade mal zehn Meter auf beiden Seiten der Straße Platz. Abends fand ich jedoch meistens ein paar Büsche hinter denen ich mein Zelt etwas versteckt aufstellen konnte.

Einen Abend fragte ich einen Farmer ob ich auf seinem Land irgendwo zelten könnte, in der Hoffnung etwas windgeschützt zu sein. Wie schon die Farmer in meinen zuvor bereisten Ländern, war überhaupt kein Problem und ich durfte mein Zelt zwischen zwei Scheunen aufbauen. Als ich gerade damit fertig war, kam der Farmer zurück und meinte es wäre viel zu kalt zum Zelten und ich sollte doch lieber ins warme Haus kommen. Meine Erklärung, dass ich einen guten Schlafsack habe und nicht frieren werde, scheiterte an meinen Spanisch Kenntnissen und ich folgte ihm zunächst für einen Kaffee ins Haus. Dort gab es dann nicht nur Kaffee sondern ein ganzes Abendessen zum ich selbstverständlich eingeladen war. Es tat so gut in einem warmen Raumen zu sein, dass ich das Angebot im Haus zu schlafen annahm und mein Zelt wieder abbaute.  Außerdem war es eine super Gelegenheit mehr Spanisch zu lernen, da natürlich kein Englisch gesprochen wurde und ich mein wenigen Spanischkenntnisse anwenden musste.

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In Puerto Natales, wo ich bei meinen Warmshowers Hosts Kuto und Liss für ein paar Tage unterkam, wechselte ich schließlich das Tretlager nach über 18000km, bevor es weiter in den Torres del Paine National Park ging. Es war ein Umweg über eine lange Schotterpiste, aber den Park wollte ich mir trotzdem nicht entgehen lassen. Als ich abends in Sichtweite der markanten Berge des Parks zeltete und den Sonnenuntergang genoss, hatte sich der Umweg schon gelohnt. Doch der nächste Tag wurde noch besser, das Wetter war perfekt und mit jedem Kilometer kam ich den Bergen näher und die Aussicht wurde spektakulärer. Allerdings wurde die Straße auch immer schlechter und ich war weit davon entfernt mein Tagesziel zu erreichen. Der Schotter war teilweise extrem lose und fast durchgängig wellig. Eigentlich hatte ich geplant bis zu einem Hotel auf der anderen Seite des Parks zu radeln und dort mein Rad stehen zu lassen, um zu einem Umsonst Campingplatz weiter höher in den Bergen zu wandern. Daraus wurde nichts und ich musste verbotenerweise wildcampen. Es war Sylvester und statt Feuerwerk hatte ich einen großartigen Sonnenuntergang mit Blick auf die Bergkette und das nur für mich allein. Im Umkreis von einigen Kilometern war ich vermutlich der einzige Mensch. Das war mal ein etwas anderer Jahreswechsel.

Am nächsten Morgen schaffte ich es dann zu dem Hotel, ließ mein Rad dort stehen und wanderte ein paar Stunden hoch zu den sogenannten Türmen, wo ich auch campte. Der Torres de Paine Nationalpark ist eine der Haupttouristenattraktionen in Patagonien und eines der beliebtesten Trekkinggebiete. Ich hatte keine einsame Wanderung erwartet, doch dass man mehr oder weniger in einer Schlange den Berg hochläuft hätte ich nicht gedacht. Ich glaube als Fahrradreisender reagiert man irgendwann sensibler auf zu touristische Gegenden und kann solche nicht mehr so recht genießen, jedenfalls geht es mir so. Aus meinem Plan mehrere Tage dort zu trekken wurden letztendlich nur zwei.

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Um zu argentinischen Grenze zu kommen, musste ich wieder ein Stück gen Süden radeln, wodurch ich endlich mal in den Genuss von Rückenwind kam. Auf der schlechten Schotterstraße war das allerdings kein allzu großer Vorteil. Am argentinischen Grenzposten, der sich wieder mitten im Nichts befand, fragte ich ob ich irgendwo zelten könnte. Daraufhin führte mich einer der Grenzpolizisten zu einem verlassenen Haus wenige Meter weiter, so musste ich nicht mein Zelt in dem starken Wind aufbauen. Nur wenige Minuten später trafen noch vier weitere Radler aus der anderen Richtung ein. Zum Glück war das Haus groß und wird hatten fast jeder ein Zimmer für sich.

Von der Grenze führt die Ruta 40 erneut nur durch einsame Pampa. Ich beschloss der alten Ruta 40 zu folgen, was eine 70km Abkürzung ist, allerdings nur Schotter und kein Asphalt. Die Straße bestand teilweise aus großen Steinen und erinnerte mehr an ein Flussbett als an eine Straße. Abends passierte ich einen Polizeiposten, das einzige Hause auf der ganzen Straße, soweit ich mich richtig erinnern kann. Leider war niemand dort, den ich hätte fragen können, ob ich mein Zelt hinter dem Haus aufstellen könnte, aber ich dachte es würde sowieso niemand stören. Kurze Zeit später, es war schon dunkel, hörte ich ein Auto neben meinem Zelt parken. Ich steckte meinen Kopf aus meinem Zelt und fragte, ob es ist ok ist, was es natürlich war. Am nächsten Morgen kochte der Polizist mir sogar einen Kaffee. Ich war sicherlich nicht der erste Radler dort. Leider konnte ich mit meinem Spanisch nicht fragen, was der Sinn der Polizeistation mitten im Nichts ist. Ich kann mir nicht vorstellen,  dass er dort allzu viel Arbeit hat.

Als ich wieder auf dem Asphalt war, fühlte es sich so viel leichter an zu radeln, doch ungefähr zur gleich Zeit setzte der Gegenwind ein. Im Verlauf des Tages wurde dieser immer stärker, bis ich kaum noch vorwärtskam. Ich erreichte die Kreuzung nach El Calafate, das 35 km entfernt von der Ruta 40 liegt, und beschloss spontan den Ort, der ohnehin äußerst touristisch sein soll, auszulassen, da ich absolut keine Lust hatte weiter gegen den Wind zu radeln. Am nächsten Tag schaffte ich es irgendwie bis zur Kreuzung nach El Chalten. Von dort waren es nur noch 90km, doch direkt gegen den Wind. Erneut war ich nur von flacher Pampa umgeben und Zäune hinderten mich weiter als 20 Meter von der Straße wegzugehen. Es war so windig, dass ich nach einigen aufgab mein Zelt aufzustellen und schlief stattdessen einfach auf dem Boden.

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blog-26Als ich morgens von einem großartigen Sonnenaufgang mit Blick geweckt wurde und am Horizont schon Fitz Roy und Cerro Torre erkennen konnte, wehte überhaupt kein Wind. Es war das Beste was überhaupt passieren konnte und ich packte erleichtert meine Taschen. Es war keine einzige Wolke am Himmel und ich fuhr 90 km immer mit dem Blick auf die Berge. Nachmittags erreichte ich schließlich El Chalten. Nach neun Tagen war ich endlich wieder in einer Stadt, meine Essensvorräte haben überraschenderweise solange gehalten, aber ich freute mich endlich was Frisches zu essen. Von anderen Radlern habe ich von einer Casa de Ciclistas gehört, ein Haus für Fahrradfahrer. Der Ort hörte sich den Erzählungen nach perfekt für eine längere Pause vom Radeln an, die ich auch dringend brauchte.

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Feuerland

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Ich hätte niemals damit gerechnet, dass mich diese Reise noch nach Südamerika bringt und so richtig realisiert hatte ich es auch nicht, dass ich wenige Stunden später auf einem neuen Kontinent sein werde, als ich am Flughafen in Auckland eincheckte. Dann auch noch Feuerland. Als Kind habe ich auf Karten oft auf diesen abgelegenen Teil der Erde geschaut und mich gewundert, wie es da “unten“ wohl aussieht.

Mit dem Pazifik überfliegt man auch die Datumsgrenze, so kam es das mein Flug um 19 Uhr abhob und um 15 Uhr des gleichen Tages in Buenos Aires landete. Nach über 12 Stunden Aufenthalt dort, während dem ich den Flughafen wechseln musste, was zum Glück trotz meines ganzen Gepäcks unkompliziert verlief, kam ich nach fast 30 Stunden endlich am „Ende der Welt“ in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, an.

Übermüdet und frierend, es herrschten nur Temperaturen im unteren einstelligen Bereich, empfingen mich meine Couchsurfing Gastgeber Soledad und Samuel am Flughafen. Beide sprachen nur sehr wenig Englisch und ich bekam direkt die Chance mein kaum vorhandenes Spanisch auszuprobieren. Irgendwie funktionierte es aber mit der Kommunikation, ich habe in den ersten Tagen vermutlich mehr Spanisch gelernt als in den ganzen Wochen zuvor mit Internet und Audioübungen.  I hoffe ich lerne die Sprache schnell.

Die ersten Tage brauchte ich zunächst um den Jetlag loszuwerden und mich an das neue Land zu gewöhnen. Das Haus meiner Gastgeber war perfekt dafür. Ich erlebte erneut fantastische Gastfreundschaft und lernte direkt einiges über argentinische Kultur. Eine Sache an die ich mich noch gewöhnen muss, ist das späte Abendessen. Vor 23 Uhr fing zumindest hier keiner an zu essen.

Bevor ich Richtung Norden aufbrach, ging es noch in den Tierra del Fuego National Park zum südlichsten Punkt, den man per Straße auf dem amerikanischen Kontinent erreichen kann. Eigentlich hatte ich noch geplant gehabt, die eine oder andere Tageswanderung dort zu machen, doch das Wetter war alles andere als einladend. Regen, Schneeregen, Nebel und nur sehr selten für wenige Minuten Sonne. Richtung Norden kann es ja nur wärmer werden, hoffte ich.

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Nach drei Tagen in Ushuaia ging es schließlich los. Ushuaia ist umgeben von einer Bergkette, den südlichen Ausläufern der Anden, die noch schneebedeckt waren. Es galt einige Anstiege zu bewältigen, bevor ich die weite flache Pampa erreichte. Die Tage waren lang und ich hätte bis fast elf Uhr im hellen fahren können. Ungewohnt, aber definitiv eine Sache die ich vermisst habe.Bevor ich die nächste Stadt Rio Grande erreichte, bekam ich erstmals den hier berüchtigten Wind zu spüren. Es hatte den ganzen Morgen geregnet, doch innerhalb fünf Minuten klarte es auf und der Wind begann. Natürlich entgegen meiner Richtung. Zum Glück hatte ich in Rio Grande einen Warmshowers Host gefunden, wo ich mich nochmals zwei Tage ausruhen konnte.

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Die kurze Pause brauchte ich auch, denn der Wind stoppte nicht. Mit 10km/h im Schnitt schaffte ich es irgendwie nach San Sebastian zu Grenze nach Chile. Der Wind kam schräg von der Seite und schob mich immer wieder mal vom Asphalt auf den Schotter neben der Straße. San Sebastian ist keine wirkliche Ortschaft, neben den Grenzgebäuden gibt es nur eine Handvoll weitere Häuser. Ich fragte, ob ich irgendwo zelte könnte und mir wurde der Warteraum gezeigt. Zum Glück war ich der Einzige dort und ich konnte meine Matratze auf einer Bank ausbreiten.

Die Grenzüberquerung verlief unkompliziert, bis auf, dass man keine frischen Lebensmittel nach Chile einführen darf. Erst dachte ich noch, dass ich meinen Beutel Karotten nicht deklarieren werde. Aber nachdem ich gesehen hatte, wie ein Motorrad komplett durchsucht wurde, entschied ich kein Risiko einzugehen. Schade um die Möhren.

Der Wind wehte noch genauso stark aus der gleichen Richtung und zu allem Übel war die Straße nur noch eine Schotterpiste bis zur Fähre in Porvenir. Ich kam kaum vorran und fragte mich ob ich es überhaupt schaffen würde ehe ich kein Essen mehr habe. Die Landschaft trug ebenfalls nicht dazu bei, dass ich das Gefühlt vorwärts zu kommen. Die Berge waren schon längst nicht mehr zu sehen und ich war nur von der unendlich erscheinenden Grassteppe umgeben. Es erinnerte mich an meine Zeit im australischen Outback. Es gab nur wenig Verkehr, aber jedes Auto hinterließ mich in einer Staubwolke. Gelegentlich traf ich auf Guanacos, die Wildform von Lamas, welche nicht so recht wussten, was sie von einem Fahrrad halten sollen.

Abends hatte ich immerhin knapp 60km geradelt und ich fand eine leere Hütte, die schon zuvor von Radlern als Unterkunft benutzt worden war. An den Wänden hatten einige ihre Signatur hinterlassen. Die Hütte war bei dem Wind ein wahrer Segen.

Ich stellte den Wecker für 5 Uhr in der Hoffnung, ein paar Stunden in schwächerem  Wind zu radeln, da dieser angeblich über Nacht meistens ein wenig abflacht. Überraschenderweise herrschte morgens zunächst überhaupt kein Wind. Als nach zwei  Stunden ein wenig Wind einsetzte hatte ich schon halb so viele Kilometer hinter mir wie am gesamt Vortag. Ich war erleichtert, dass ich es nun zumindest am nächsten Tag rechtzeitig zu 14 Uhr Fähre schaffen würde und bis dahin auf jeden Fall genügend Essen. Ohne den starken Wind war das Radeln so viel einfacher  und ich genoss es sogar wieder.

Tatsächlich kam ich sogar noch am gleichen Tag in Porvenir an. An der Fähre, die etwa 5km außerhalb abglegt, fragte ich in einem Cafe, ob ich mein Zelt nebenan aufstellen kann. Zum Glück war es alles andere als ein Problem. Ich wurde sogar eingeladen im beheizten Haus zu kochen, was richtig gut tat, nach den paar Tagen im Wind. Am nächsten Tag nahm ich die Fähre und setze über die Magellanstraße auf amerikanisches Festland über. Feuerland werde ich wohl nun für immer mit ein paar richtig anstrengenden Fahrradtagen verbinden. Vielleicht sogar die anstrengendsten, die ich bisher hatte.

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